Auf dem Jakobsweg von Bergisch Gladbach nach Trier – Eine Reise zu mir selbst (1. Pilgerreise)

Dauer: 27. April – 6. Mai 2012 (10 Tage)
Etappen: 9
Gesamtstrecke: ca. 250 km
Route: Bergisch Gladbach – Walberberg – Kreuzweingarten – Blankenheim – Prüm – Waxweiler – Welschbillig – Trier

10 Tage, 250 Kilometer, unzählige Eindrücke: Mein erster Jakobsweg mit dem Teilstück von Bergisch Gladbach nach Trier war mehr als nur eine Wanderung. Es war eine Pilgerreise zu mir selbst.

Die Idee kam nach einer Doku über deutsche Jakobswege im Fernsehen, der Entschluss war dann radikal: Rucksack packen, Alltag zurücklassen, aufbrechen. 

Am 27. April 2012 begann ich mein Abenteuer auf dem deutschen Jakobsweg. Ich war Pilgeranfänger mit einem 12,7-Kilo-Rucksack, voller Unsicherheit, aber auch Vorfreude.

Tag 1: Von Bergisch Gladbach nach Walberberg (34 km)

Mit der Sonne im Rücken und Schmerz in den Beinen erreichte ich nach einer kräftezehrenden Etappe Walberberg.  Kölner Dom, Umwege durch Hürth und Brühl und letztlich Ankunft in der Domäne Walberberg begleiteten mich. Mein Körper war überfordert, mein Wille erwachte.

Tag 2: Von Walberberg nach Kreuzweingarten (31 km)

Ich besuchte die Kirche St. Walburga mit ihren Reliquien und lief weiter über Weilerswist und Euskirchen bis zum Haus Maria Rast. Emotionale Momente in leeren Kirchen, Sonnenbrand statt Erleuchtung. Doch innerlich bewegte sich etwas.

Tag 3: Bis Bad Münstereifel (19 km)

Kurze Etappe, viel Wirkung. Bad Münstereifel bezauberte mich mit seinem mittelalterlichen Flair. In der Stiftskirche spürte ich zum ersten Mal echte Ruhe.

Tag 4: Weiter nach Blankenheim (22 km)

Über das Lampertstal nach Blankenheim, Heimat der Ahrquelle. Ich fühlte mich frei. Natur pur, eine Burg als Jugendherberge und das Gefühl, dass dieser Weg mehr ist als eine Flucht aus dem Alltag.

Tag 5: Nach Kronenburg (23 km)

Die Eifel zeigte Zähne. Aufstieg, Knieprobleme, Zweifel. Doch in Kronenburgs historischer Altstadt belohnte mich der Blick vom Burgberg. Ich war angekommen.

Tag 6: Nach Prüm (25 km)

Einsamkeit und Spiritualität bestimmten diesen Tag. In der Salavatorbasilika in Prüm stand ich vor Reliquien „Sandalen Christi“ und der Reliquien der Heiligen Drei Ärzte Marius, Abachum und Audifax. Ein Gespräch mit dem Küster über Glauben und Wille berührte mich tief.

Tag 7: Waxweiler ruft (25 km)

Sturm, Regen, Sonne. Über die Schönecker Schweiz und Nimsreuland bis zur prachtvollen Kirche in Waxweiler gepilgert. Dort bekam ich nicht nur einen Stempel, sondern neue Kraft.

Tag 8: Alternativroute nach Welschbillig (30 km)

Ich wich dem offiziellen Weg aus und lief über das Fraubillenkreuz nach Feschweiler, dann Irrel. Der Kontakt mit zwei Pilgern gab mir neuen Schwung. Welschbillig war still, die Herberge sehr einfach, die Kontakte mit Pilgern dort aber herzlich und mein Herz dankbar.

Tag 9: Ankunft in Trier (20 km)

Es regnete. Doch das Herz wurde leichter mit jedem Schritt. An der Porta Nigra empfing mich die Stadt, im Trier Dom ende meine Pilgerreise am Heiligen Rock. Ich weinte. Aus Dankbarkeit, Erleichterung und Demut.


Fazit: Das Ziel ist erreicht, aber der Weg war das eigentliche Erlebnis.

Ich bin nicht gepilgert, um anzukommen. Ich bin gepilgert, um loszulassen. Der Jakobsweg hat mich gelehrt, mit Schmerz umzugehen, Menschen zu vertrauen, und innezuhalten. Ich fand keine Antworten, aber viele Fragen. Und das Gefühl, dass mein Weg noch lange nicht zu Ende ist.

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