Camino del Norte – zwischen Atlantik, Bergen und mir selbst

Nach über 2.450 Kilometern auf zwölf Jakobswegen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien und den Niederlanden begann im September 2025 für mich ein neues Kapitel: die große Pilgerreise auf der spanischen Küstenroute – dem Camino del Norte.

Von Hendaye an der französischen Grenze führte mich dieser Weg entlang der rauen Atlantikküste durch das Baskenland, Kantabrien, Asturien und Galicien bis nach Santiago de Compostela – über 830 Kilometer in 29 Etappen und insgesamt über 20.000 (absolute) Höhenmeter. Ein Weg, der mich körperlich forderte, aber vor allem innerlich bewegte.

Der Camino del Norte ist ein Weg der Gegensätze. Mal führte er mich direkt am Meer entlang, wo die Brandung tosend gegen die Felsen schlug, mal tief hinein in stille Wälder, wo nur das Rauschen der Blätter zu hören und die Frische der Natur zu riechen war.

Ich wanderte durch Fischerorte, über einsame Höhenzüge, durch Nebel und Sonne, durch Regen und Wind. Jeder Tag brachte ein neues Gesicht dieser faszinierenden nordspanischen Landschaft.

Das Baskenland war grün, rau und eigenwillig – mit seinen steilen Küstenpfaden und herzlichen Menschen und Cafe/Bars, die immer gut mit Bocadillos jeglicher Art ausgestattet waren. In Kantabrien öffnete sich die Landschaft, die Orte wirkten friedlich und hell, die Tage weicher. Asturien zeigte sich als landschaftlicher Höhepunkt: spektakulär, körperlich nicht selten anstrengend, wunderschön. Und schließlich Galicien, mit seinen alten Eukalyptuswäldern, seinem Nebel und seiner stillen Mystik – der Vorbote des Ankommens.

Der Camino war für mich nie nur eine sportliche Herausforderung. Er war eine Reise zu mir selbst – mit all ihren Höhen und Tiefen.
Ich begegnete Menschen, die mich berührten, inspirierenden Mitpilgern, die zu Freunden auf Zeit wurden.
Und doch war ich oft allein. Diese Einsamkeit empfand ich nicht als Mangel, sondern als Geschenk.

Ich habe gelernt, dass nicht alles planbar ist. Dass man manchmal einfach losgehen muss, ohne genau zu wissen, was kommt.

Ich habe gespürt, wie gut es tut, Ballast abzuwerfen – äußerlich und innerlich. Und wie befreiend es ist, wenn sich der Tag nur um drei Dinge dreht: Gehen, Essen, Schlafen.

Ich bin über 830 Kilometer gepilgert – plus die paar, auf denen ich mich verlaufen habe. Ich habe über 20.000 absolute Höhenmeter überwunden, manchmal fluchend, oft staunend.

Es waren die unscheinbaren Momente, die sich eingebrannt haben: das erste Licht am Morgen, ein Lächeln und „Buen Camino“ am Wegesrand, ein Kaffee „con leche y azúcar“ im Regen, ein kurzer Satz, der hängen blieb.

Ich habe erlebt, wie wenig man wirklich braucht, um zufrieden zu sein.
Und ich habe gespürt, dass ich mehr Energie in mir trage, als ich gedacht hätte; diese Erkenntnis hat mich nachdenklich gemacht – über meinen Alltag, meinen Job, mein Leben.

Ich habe meine Familie vermisst, aber auch die Zeit für mich selbst genossen.
Ich habe mich reduziert – auf das, was gerade wichtig war – für den Moment und für mich.

Und genau darin lag eine tiefe Ruhe, die ich so noch nie empfunden hatte.

Ich bin angekommen – und tief bewegt.


Die vier Wochen auf dem Jakobsweg waren mehr als nur Kilometer. Es waren Begegnungen, Gedanken, Stille, Freude, manchmal auch Schmerzen – und viele kleine Wunder.

Ich habe gelernt, dass Stille nicht leer ist, sondern voller Antworten. Dass Vertrauen oft besser trägt als Kontrolle. Dass ich über mich hinauswachsen kann! Dass Reduktion nicht Verlust bedeutet, sondern Freiheit.

Ich habe mein Abenteuer, meinen Lebenswunsch, meine Reise des Lebens erleben dürfen – und dafür bin ich unendlich dankbar.

Der Camino del Norte endete in Santiago – doch der Weg, der zählt, geht in mir weiter.


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