Auf meinem Jakobsweg, dem Camino del Norte, hatte ich mich entschieden, nach der 17. Etappe einen Pausentag in Gijón einzulegen. Die freundlichen Mitarbeitenden der Touristeninformation stempelten mir nicht nur meinen Pilgerpass, sondern gaben mir auch wertvolle Tipps, wie ich in nur drei Stunden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden konnte.
Gijón (spanisch) bzw. Xixón (asturisch) ist eine lebendige Hafenstadt an der Nordküste Spaniens, am Kantabrischen Meer in der Region Asturien. Die Stadt war über Jahrhunderte vom Schiffbau und der Metallindustrie geprägt – Spuren davon sind im Westen, rund um den Großhafen El Musel, noch heute gut sichtbar.
Das älteste Viertel der Stadt, Cimavilla, liegt auf einer kleinen Halbinsel im Norden und gilt als der historische Ursprung Gijóns. Mit seinen engen Gassen, alten Fassaden und kleinen Tapas-Bars ist es ein Ort voller Geschichte und Seele.
Die Touristeninformation, am unteren Rand von Cimavilla, ist der perfekte Ausgangspunkt für einen Rundgang.

Schon wenige Schritte später steht man auf der Plaza del Marqués, wo die imposante Statue des ersten Monarchen von Asturien, König Pelayo, an die Gründung des Königreichs im 8. Jahrhundert erinnert.

Gleich daneben entdeckt man einen unscheinbaren, fast zu übersehenden Brunnen – den Barquera- oder Ratsbrunnen.

Hier wurden zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert die gewählten Amtsträger bekanntgegeben und vor der Öffentlichkeit vereidigt – ein Symbol bürgerlicher Tradition und städtischer Selbstverwaltung. Direkt dahinter erhebt sich der prachtvolle Palacio de Revillagigedo, eines der bedeutendsten barocken Bauwerke Asturiens. Er wurde zwischen 1704 und 1721 auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Turms errichtet und diente einst der Adelsfamilie Revillagigedo als Stadtresidenz. Heute beherbergt das Gebäude ein Kulturzentrum mit wechselnden Kunstausstellungen.

Wenn man nun aus dieser Perspektive nach links blickt, öffnet sich durch ein Tor der Blick auf die Plaza Mayor, den Hauptplatz Gijóns, der mit seinen Arkaden und dem symmetrischen Aufbau sofort ins Auge fällt. Seit 1867 steht hier das Rathaus der Stadt.

Schlendert man weiter, vorbei am Rathaus so gelangt man zügig zum Stadtstrand Playa de San Lorenzo, dessen drei Kilometer lange Promenade zu den schönsten Nordspaniens zählen soll. Die Einheimischen nennen sie liebevoll „El Muro“ – „die Wand“. Bei Flut prallen die Wellen mit Wucht gegen die steinerne Brüstung, was ein spektakuläres Schauspiel bietet.

Die Treppen zum Strand sind durchnummeriert. An Treppe Nummer 4, der berühmten „Escalerona“, befinden sich ein Thermometer, ein Gezeitenmesser, ein Barometer sowie die Fahne der Stadt.

Folgt man der Promenade zurück Richtung Cimavilla, zieht die Iglesia de San Pedro die Blicke auf sich. Sie thront malerisch am Ende des Strandes, wo sich Land und Meer begegnen. Ursprünglich im 15. Jahrhundert erbaut, wurde sie nach ihrer Zerstörung im Bürgerkrieg in den 1950er-Jahren im Stil der asturischen Romanik wiederaufgebaut.

Heute begeistert sie durch ihre klare Fassade, den Blick auf das Meer und den leuchtenden Mosaiken des slowenischen Künstlers Marko Ivan Rupnik– ein stiller Ort voller Geschichte und Licht.
Zu ihren Füßen liegen die Römischen Thermen von Campo Valdés, die aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammen. Der Eintritt ist kostenlos und das kleine Museum zeigt eindrucksvoll, wie fortschrittlich die römische Badekultur hier war. Für deutsche Besucher gibt es einen Handzettel in deutscher Sprache.

Von hier führt ein Weg den Hügel Santa Catalina hinauf – ein kurzer, aber lohnender Aufstieg. Oben angekommen, eröffnet sich ein atemberaubender Blick über die Stadt, das Meer und bei klarer Sicht sogar bis zu den Picos de Europa, die etwa 60 km Luftlinie entfernt liegen.

Auf der Hochebene stößt man auf die Überreste der Batería Alta de Santa Catalina aus dem 18. Jahrhundert, die einst Teil der Küstenverteidigung war. Von hier aus schützten Kanonen den Hafen vor feindlichen Angriffen. Heute bilden die alten Geschützstellungen zusammen mit der modernen Skulptur „Elogio del Horizonte“von Eduardo Chillida einen der schönsten Aussichtspunkte der Stadt. Das monumentale Beton-Kunstwerk rahmt den Himmel und das Meer wie ein Fenster und symbolisiert den Dialog zwischen Mensch, Raum und Horizont.

Zurück an der Touristeninformation fällt sofort eine moderne, leuchtend grüne Skulptur ins Auge: der Apfelweinbaum „El Árbol de la Sidra“, zusammengesetzt aus 3.200 leeren Sidra-Flaschen. Er steht stellvertretend für das Lieblingsgetränk der Asturier – den Cidra, einen leicht säuerlichen Apfelwein, der traditionell aus großer Höhe eingeschenkt wird, um ihn zu belüften.

Nach Tagen auf dem Camino tat die Pause in Gijón einfach gut – meine Füße dankten es mir. Zwischen Meer, Kultur und Camino fand ich hier genau das richtige Gleichgewicht aus Erholung und Entdecken.








