Zeitraum: 29. Mai – 6. Juni 2015
Dauer: 9 Tage
Strecke: ca. 205 km
Route: Köln – Bonn – Bad Honnef – Sinzig – Andernach – Koblenz – Boppard – St. Goar – Bacharach – Bingen

Tag 1: Köln – Bonn (32 km)
Mein vierter Jakobsweg beginnt dort, wo viele Pilgerwege in Deutschland starten: im Kölner Dom, wo ich mir den ersten Stempel hole. Das Gefühl, mitten in dieser gotischen Kathedrale den Weg zu eröffnen, ist besonders.

Gut markierte Wege führen mich hinaus aus der Stadt, durch Rodenkirchen, das mir vertraut ist, und weiter nach Wesseling, das weniger durch Schönheit als durch die Chemieindustrie geprägt ist.


Danach wird es beschaulicher – durch Urfeld und Widdig geht es bis nach Bonn.
Tag 2: Bonn – Niederbachem – Bad Honnef (27 km)
Die Sonne begleitet mich auf dieser Etappe. Nicht jeder Abschnitt ist idyllisch – besonders zwischen Bonn und Bad Godesberg überwiegt die Zweckmäßigkeit.

Doch an der Godesburg lege ich eine längere Rast ein.
Kurz zur Geschichte: Auf einem alten Vulkankegel errichtet, wurde die Burg ab 1210 von Erzbischof Dietrich von Hengebach ausgebaut und mehrfach erweitert. Im Kölnischen Krieg 1583 schließlich spektakulär gesprengt – über einen unterirdischen Gang mit 1.500 Pfund Pulver. Nur der Bergfried überstand die Zerstörung. Später schenkte Kaiser Wilhelm II. die Ruine der Gemeinde, die in den 1960er-Jahren durch Architekt Gottfried Böhm zu einem Restaurant ausbaute.

Ein weiteres Highlight des Tages ist der Rolandsbogen. Der letzte Torbogen der Burg Rolandseck stürzte 1839 ein. Durch Spendenaufrufe wurde er wieder aufgebaut. Heute bietet er einen unvergesslichen Blick auf das Siebengebirge, den Drachenfels und die Insel Nonnenwerth mit dem Kloster St. Clemens.

Der Weg führt weiter durch Obstplantagen, Felder, Wälder – und immer wieder blitzt der Rhein auf.

In überquere den Rhein mit einer Fähre und übernachte in der Jugendherberge in Bad Honnef, wo ein schöner, aber langer Tag endet.
Tag 3: Bad Honnef – Remagen – Sinzig (22 km)
Beim Frühstück lerne ich einen älteren Herrn kennen, der von seinem Freund erzählt – ein Pilger wie ich, nur dass er von Prag, Genf oder anderen europäischen Städten aus startet. Solche Begegnungen machen das Pilgern lebendig.

Durch stille Wälder finde ich Ruhe, bis mich der Abstieg nach Remagen führt. Am Franziskusdenkmal verweile ich, bevor ich die Apollinariskirche besuche. Eine Nonne lädt mich zu Kaffee und Kuchen ein – ihre Güte und innere Ruhe berühren mich tief.

Natürlich führt mich der Weg auch an den Resten der Brücke von Remagen vorbei. Die 1918 gebaute Eisenbahnbrücke wurde im Zweiten Weltkrieg weltberühmt. Als einzige unzerstörte Rheinbrücke ermöglichte sie den alliierten Truppen im März 1945 den Übergang über den Fluss. Wenige Tage später stürzte sie ein – wahrscheinlich aufgrund der Schäden durch Bombardierungen. Heute erinnern die Brückentürme als Mahnmal an Frieden und Versöhnung.

Tag 4: Sinzig – Andernach (24 km)
Morgens schaue ich mir in Sinzig die Barbarossaburg und die Pfarrkirche St. Peter an. Die Burg wurde im 12. Jahrhundert von Kaiser Friedrich I. Barbarossa errichtet und diente als strategischer Stützpunkt am Rhein. Die Kirche St. Peter, eine dreischiffige Basilika, zählt zu den bedeutendsten romanischen Kirchen am Mittelrhein.

Es folgt ein steiler Aufstieg durchs Brohltal, später erreiche ich Bad Breisig, wo ich mir einen Stempel hole. Ab Brohl-Lützing entscheide ich mich für die kürzere Rheinroute – 7,5 km statt 19 über die Berge.

Mein Ziel: die Pilgerherberge im St. Nikolaus-Krankenhaus in Andernach.



Tag 5: Andernach – Koblenz (28 km)
Regen, Kälte, 12 Grad – Ende Mai! Doch der Weg selbst bleibt schön: vorbei an Obstplantagen, Wiesen, Feldern, mit Rhein- und Moselblick. Über Kettig und den mächtigen Kühlturm des stillgelegten Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich führt mich der Weg nach Koblenz. Endlich. Nachmittags wird es sonnig und warm.

Dort erreiche ich die Jesuitenkirche und hole mir meinen Pilgerstempel.

Tag 6: Koblenz – Rhens – Boppard (24 km)
Am Morgen erfüllt der Duft des feuchten Waldes die Luft – einer meiner Lieblingsmomente beim Pilgern. Über Burg Stolzenfels schließe ich ein Stück des Mosel-Caminos an.

In Rhens empfängt mich das Welterbe Oberes Mittelrheintal. Im Touristenbüro gibt es nicht nur einen Stempel, sondern auch frisches Rhenser Mineralwasser. Beinahe verlaufe ich mich, doch ein freundlicher Weg-Pate ruft mich zurück – er selbst war schon zweimal in Santiago.

Über Brey mit dem Sauerbrunnen und den berühmten Vierseenblick geht es weiter.


Die alte Sesselbahn bringt mich entspannt nach unten, bevor ich Boppard erreiche.


Tag 7: Boppard – St. Goar (25 km)
Eine der schönsten Etappen überhaupt: steile, fast alpine Anstiege, aber belohnt mit Ausblicken auf das Welterbe-Mittelrheintal. Burgen, Reben, Rhein – ein Postkartenmotiv nach dem anderen. Höhepunkt ist die Burg Rheinfels, eine der größten Burgruinen am Rhein.



In St. Goar freue ich mich über ein Zimmer mit Rheinblick.

Tag 8: St. Goar – Bacharach (23 km)
Die Sonne zeigt sich von ihrer besten Seite. Ich wandere an der Loreley vorbei. Felder und Wiesen leiten mich schließlich nach Bacharach, ein Bilderbuchdorf mit weißen Fachwerkhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert.




Tag 9: Bacharach – Bingen (18 km)
Die Abschlussetappe gehe ich gemütlich: am Rhein entlang, vorbei am 50. nördlichen Breitengrad.

Nach wenigen Stunden erreiche ich bei großer Hitze die Basilika St. Martin in Bingen.

Hier endet mein vierter Pilgerweg – ein würdiges Finale.
Fazit:
Der Linksrheinische Jakobsweg vereint Großstadtflair, stille rheinische Dörfer, mächtige Burgen und eindrucksvolle Kirchen zu einer abwechslungsreichen Pilgerroute. Besonders das Welterbe Mittelrheintal mit seinen spektakulären Ausblicken und historischen Orten hat mich tief beeindruckt – und sicher werde ich dorthin noch einmal zurückkehren.








