Camino del Norte – mein Jakobsweg (Reisebericht)

Nach über 2.450 Kilometern auf zwölf Jakobswegen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien und den Niederlanden in den vergangenen 13 Jahren begann für mich ein neues Kapitel: die große Pilgerreise auf der spanischen Küstenroute – dem Camino del Norte.
Von Hendaye bzw. Irun im Baskenland führte mich der Weg entlang der wilden Atlantikküste bis nach Santiago de Compostela – rund 830 Kilometer voller Natur, Kultur und intensiver Begegnungen.

In diesem Blog habe ich meine Erlebnisse, Gedanken und Eindrücke festgehalten – Etappe für Etappe. Vielleicht spürst Du beim Lesen ein Stück der Magie dieses Weges, die Ruhe, die Begegnungen und das Gefühl, Schritt für Schritt dem Wesentlichen näherzukommen. Buen Camino – der Weg geht weiter.


Letzte Etappe 29 – 20. Oktober 2025: Von Lavacolla nach Santiago de Compostela (11 km)

Heute lasse ich mir Zeit. Nur wenige Kilometer trennen mich vom Ziel, und ich weiß, dass es eine emotionale Etappe werden wird. Beim Frühstück genieße ich eine Tortilla mit Brot und muss erneut schmunzeln: Warum bekommt man in Spanien zu einer trockenen Tortilla eigentlich ein ebenso trockenes Stück Brot – ohne Butter?

Gut gestärkt starte ich bei Helligkeit in den letzten Abschnitt meines Camino.

Ich komme an mehreren kleinen Café-Bars vorbei – eine davon wähle ich für meinen letzten Kaffee vor Santiago. Wenig später erreiche ich eine Jakobus-Skulptur, an der Pilger persönliche Botschaften auf Karten und Steinen hinterlassen haben. Ich bleibe stehen, lese einige davon und spürte, wie sich die Stimmung des Abschieds und Ankommens langsam in mir ausbreitete.

Mein Zwischenziel ist der Monte de Gozo, der „Berg der Freude“. Hier stehen die beiden bekannten Pilgerfiguren, die in Richtung der Kathedrale zeigen – und ich verstehe plötzlich, warum dieser Ort so heißt. Es ist ein Moment der Rührung, des Loslassens und der Dankbarkeit. Ich lege meine eigene Karte mit einer kleinen Botschaft ab, verweile still, atme tief durch – und fühle mich leichter. Fünf Kilometer liegen noch vor mir.

Der Abstieg nach Santiago führt mich in eine Stadt voller Leben und Geräusche. Mit jedem Schritt komme ich meinem Ziel näher. Einige Straßenzüge vor der Kathedrale erblicke ich erstmals einen ihrer Türme – und mein Herz schlägt schneller.

Die Gassen werden enger, Pilger mischen sich unter Touristen, und als sich schließlich der Platz vor der Kathedrale von Santiago de Compostela öffnet, wird es in mir ganz still.

Ich bleibe stehen. Ich habe es geschafft.

Ich rufe Cordula an – und mir stockt die Stimme.

Um mich herum Jubel, Freude, Tränen. Viele Pilger liegen sich in den Armen, lachen, weinen, halten inne. Jeder von uns weiß: Wir haben es geschafft – und doch beginnt hier etwas Neues.

Im Pilgerzentrum stelle ich mich in die Schlange und erhalte schließlich meine Compostela, die offizielle Bestätigung meiner Pilgerreise auf dem Camino del Norte. Der letzte Stempel besiegelt das Ende eines langen Weges.

Ich bin angekommen – und tief bewegt.

Die letzten Wochen auf dem Jakobsweg waren mehr als nur Kilometer.

Es waren Begegnungen, Gedanken, Stille, Freude, manchmal auch Schmerzen – und viele kleine Wunder.

Danke, dass du diesen Weg hier im Blog mitverfolgt hast.

Dieser Jakobsweg war meiner – und er endet nun hier in Santiago de Compostela.

Ein besonderer Weg. Ein Abenteuer. Ein Lebenstraum, der mir geholfen hat, Wichtiges zu überdenken.

Ich lasse diese Reise nun in mir wirken…

Buen Camino!


Etappe 28 – 19. Oktober 2025: Von Arzúa nach Lavacolla (29 km)

Gestern Abend machte ich noch einen kleinen Spaziergang durch Arzúa – und war überrascht, wie sehr hier alles vom Jakobsweg geprägt ist. Die Stadt lebt von den Pilgern: Überall findet man Wegweiser zu Herbergen, Restaurants und Bars, Souvenirläden mit Muscheln und Pilgerkreuzen, und auf den Straßen sieht man Menschen in Funktionskleidung und Badeschlappen. Der Camino ist hier kein Geheimtipp mehr – er ist das Herz der Stadt.

Ich schlief hervorragend und starte nach einem selbstgeschmierten Bocadillo gut gestärkt in die vorletzte Etappe. Schon kurz nach dem Ortsausgang geht es auf einen wunderbar ausgebauten Weg, wie ich ihn in den letzten vier Wochen selten erlebt hatte.

Der Regen setzt früh ein, doch er stört weder mich noch die anderen Pilger. In bunten Ponchos stapfen wir alle unbeirrt weiter – jeder in seinem eigenen Rhythmus, mit einem gemeinsamen Ziel.

Beeindruckend ist heute erneut die Infrastruktur entlang des Weges: Bars, die ausschließlich auf Pilger ausgerichtet sind, mit heißen Getränken, Bocadillos, kleinen Andenken – und natürlich Stempeln für den Pilgerpass. Zwei Stempel am Tag sind schließlich Pflicht für die Compostela.

Alle paar hundert Meter Mülleimer, regelmäßig stoße ich auf Sitzbänke, alles wirkt durchdacht und gepflegt. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es hier in der Hochsaison aussieht, wenn sich täglich Hunderte Pilger auf diesen letzten Kilometern drängen.

Es ist spürbar voller als auf dem stillen Camino del Norte, den ich in den vergangenen Wochen gegangen bin. Trotzdem beide ich meist allein – im Rhythmus meiner Schritte, mit meinen Gedanken und dem beständigen Rufen des „Buen Camino“, das hier so selbstverständlich wie freundlich klingt.

Der Weg führte mich durch kleine Dörfer, vorbei an Feldern und entlang des Flughafens von Santiago. Schließlich begrüßt mich der erste „Santiago“-Stein – ein Moment, der Gänsehaut auslöst.

In Lavacolla werde ich herzlich von der Pensionsbesitzerin empfangen, die mir gleich ein paar hilfreiche Tipps für den morgigen Tag gibt: wo ich mich im Pilgerbüro registrieren müsse, wann die Pilgermesse stattfindet, und wie ich am besten zur Kathedrale komme.

Ich hätte heute noch weitergehen können – bis nach Santiago. Doch ich entscheide mich bewusst dagegen. Ich will mir das Ankommen nicht nehmen lassen. Morgen werde ich die letzten zehn Kilometer ganz in Ruhe gehen – Schritt für Schritt, dem Ziel entgegen, das mich seit vier Wochen begleitet.


Etappe 27 – 18. Oktober 2025: Von Sobrado nach Arzúa (22 km)

Es ist 5:30 Uhr, und ich kann nicht mehr schlafen und das, obwohl ich allein in einem Zimmer einer kleinen Pension übernachte – irgendwie hat sich diese frühe Uhrzeit in meinen Rhythmus eingeschlichen. Das nervt. Heute fehlt mir zunächst die Motivation. Ich lasse mir Zeit, trödele beim Packen – vielleicht, weil ich spüre, dass das Ende dieser Reise näherkommt. Der Gedanke, dass der Camino bald vorbei sein würde, machte mich nachdenklich.

Zugleich fehlt mir die Lust, noch vier weitere Tage dranzuhängen und bis nach Finisterre zu laufen. Das Wetter soll kippen, mit Regen und Gewitter – keine verlockende Aussicht. Also beschließe ich, mich auf mein ursprüngliches Ziel zu konzentrieren: Santiago de Compostela.

Die Müdigkeit verfliegt allerdings schnell, als ich mir in einer Bar einen Kaffee und ein Croissant bestelle. Diese kleine Stärkung tat gut – und die Bar war ein beliebter Treffpunkt für Pilger. Innerhalb weniger Minuten füllt sich der Raum mit etwa fünfzehn Menschen aus aller Welt, die mit dem gleichen Ziel unterwegs sind. 

Beim Verlassen von Sobrado, diesmal ohne Nebel, blicke ich nochmal auf die Klosterkirche, die im goldenen Licht der aufgehenden Sonne liegt.

Der Weg führt mich durch galicische Dörfer, die im Morgengrauen erwachen.

Immer wieder begegne ich anderen Pilgern. Wo kommen die plötzlich alle her? Gestern war es doch so still gewesen!

Etwa auf halber Strecke sehe ich das erste Verkehrsschild, das Santiago ankündigt.

Dann treffe ich einen alten Bekannten aus Großbritannien wieder. Wir hatten uns Wochen zuvor auf der Fähre vor Santander kennengelernt und damals über ultraleichte Rucksäcke gefachsimpelt. Nach vier Wochen Pilgerreise hat er sich nun tatsächlich seine erste Blase gelaufen – kurz vor dem Ziel. Er kann es kaum glauben.

Kurz darauf werden wir Zeugen eines typisch spanischen Spektakels: Eine Herde Kühe wird von der Weide zurück in den Stall getrieben – begleitet von lautem Hupen und der Warnblinkanlage eines PKWs. Effektiv und irgendwie charmant zugleich.

Obwohl es „nur“ 22 Kilometer sind, zogen sich die letzten Kilometer bis Arzúa in die Länge. Dort trifft der Camino del Norte auf den Camino Frances und den Camino Primitivo – dadurch passieren fast alle Pilger auf dem Weg nach Santiago diesen Ort. Der Jakobsweg prägt die Stadt wirtschaftlich und kulturell, da hier viele Unterkünfte, Restaurants und Geschäfte vom Pilgertourismus leben und die Pilgertradition hier tief verwurzelt ist.

Und dann stehe ich plötzlich vor einer Stele: Santiago de Compostela – 39 km.

Ich kann es kaum fassen. Nur noch 39 Kilometer – und ich werde da sein. 


Etappe 26 – 17. Oktober 2025: Von Baamonde nach Sobrado (33 km)

Heute ist ein besonderer Tag – in gleich doppelter Hinsicht: Zum einen betrete ich die berühmte 100-Kilometer-Zone nach Santiago de Compostela, zum anderen ist heute mein Geburtstag.

Schon beim Frühstück – für spanische Verhältnisse erstaunlich reichhaltig – begegne ich einem Pilger aus Dänemark. Ein älterer Herr, Rentner, der trotz einer Beeinträchtigung seiner Beine bereits seinen dritten Jakobsweg geht. Seine Entschlossenheit und Ruhe beeindrucken mich tief – eine dieser Begegnungen, die man wohl nur auf dem Camino erlebt.

Der heutige Weg bietet alles, was Pilgern ausmacht: Abwechslung, Stille, Anstrengung und kleine Momente der Freude. Der Untergrund wechselt ständig – Waldwege, Schotter, Asphalt, Wiesenpfade – und führt mich stetig in Richtung Sobrado.

Schwieriger gestaltet sich die Suche nach einem Stempel: Nur zwei Dörfer bieten unterwegs ein Café, und so bleibt die Auswahl begrenzt.

Ich treffe kaum Menschen, noch weniger Pilger – nur eine Vierergruppe im zweiten Café bleibt mir in Erinnerung. Der Camino del Norte zeigte sich wieder von seiner stillen, einsamen Seite. Ich ahne jedoch, dass sich das bald ändern wird, denn ab morgen werde ich den belebteren Camino Francés bei Arzúa erreichen.

Eine besondere Begegnung habe ich trotzdem: ein „neuer Freund“ – der allerdings weniger an mir als an meinem Pausenbrot interessiert ist.

Am späten Nachmittag erreiche ich Sobrado – ein kleiner, ruhiger Ort, geprägt vom beeindruckenden Zisterzienserkloster Santa María de Sobrado dos Monxes.

Dieses Bauwerk aus dem 10. Jahrhundert liegt erhaben inmitten der galicischen Landschaft und strahlt eine tiefe Ruhe aus. Ein schöner Ort, um meinen Geburtstag und diesen besonderen Pilgertag ausklingen zu lassen.


Etappe 25 – 16. Oktober 2025: Von As Paredes nach Baamonde (32,5 km)

Das gemeinsame Abendessen gestern mit den anderen Pilgern war wunderbar. Ein Pilger aus Kolumbien, zwei aus Frankreich und zwei aus Deutschland – und dennoch funktionierte die Kommunikation auf Anhieb. Wir tauschten uns über unser Leben, unsere Familien, Berufe, Hobbys und sogar über die jeweiligen Gesundheitssysteme aus. Der Hospitalero verwöhnte uns mit einem typischen galicischen Drei-Gänge-Menü – inklusive Wein. Ein schöner, geselliger Abend, wie man ihn nur auf dem Jakobsweg erlebt.

Am Morgen starte ich wieder früh – diesmal mit Frühstück, aber bei dichtem Nebel.

Der graue Schleier begleitet mich bis nach Villalba, wo ich mir ein sehr leckeres zweites Frühstück gönne. Danach führt der Weg einsam durch die stillen Landschaften der Provinz Lugo – erst vernebelt, dann in herrlichem Sonnenschein. Idyllisch, friedlich, fast zeitlos.

Am Nachmittag begegne ich insgesamt nur zehn Menschen, darunter nur drei Pilger. Selbst Hunde, die sonst aufgeregt bellen, wenn man vorbeizieht, schlafen auf der Straße.

Lediglich in einem kleinen Café – oder besser gesagt einer Bar – herrscht etwas Leben: etwa zehn Herren sitzen am Tresen und trinken um 14 Uhr ihr Bier, während ich mich über einen Kaffee und kleine Pintchos freue, die mir mit einem Lächeln serviert werden. Ein einfacher Moment, der mich glücklich macht – vielleicht, weil er so ehrlich ist.

Nach 32,5 Kilometern erreiche ich schließlich Baamonde – und die Jakobskirche, die in alten Zeiten als Herberge für Pilger diente.

Hier erreiche ich auch den berühmten 100-Kilometer-Markierungsstein.

Eigentlich zeigt er 99,994 km an, doch für mich ist klar: Die letzten 100 Kilometer haben begonnen. Ab jetzt heißt es, jeden Tag zwei Stempel im Pilgerpass zu sammeln – das letzte Kapitel meiner Reise hat begonnen.


Etappe 24 – 15. Oktober 2025: Von Lourenzá nach As Paredes (29 km)

In Nordspanien scheint es eine liebenswerte Tradition zu sein, dass man zu einem Getränk in den Bars kleine Tapas gereicht bekommt – kostenlos. Eine Geste der Gastfreundschaft, die ich mittlerweile schon mehrfach erleben durfte. Gestern nahm ich diese Einladung gleich doppelt an – in der Hoffnung, dass mir die Kaltgetränke zu einem besseren Schlaf in der Herberge verhelfen würden. Ein Tipp, den mir ein Pilger aus Toronto gab. Leider half es nichts – nicht wegen der Mitpilger, sondern wegen der Matratze, die mir zu schaffen machte.

So breche ich heute wieder früh auf.

Der Himmel ist noch dunkel, und ohne Stirnlampe wäre der steile Anstieg durch das Waldstück kaum machbar. Der Weg zeigt sich zunächst so still und einsam wie am Vortag. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele Häuser und Höfe leer stehen, viele davon im Verfall begriffen – ein trauriges, aber auch nachdenklich stimmendes Bild.

Selbst in dem ansonsten so hübschen Ort Mondoñedo, mit seiner imposanten, leider verschlossenen Kathedrale, sieht man zahlreiche Schilder mit der Aufschrift „Se vende“.

Kathedrale von Mondoñedo

Nach einem zweiten Frühstück im wunderbaren Café Faragullas stehe ich vor einer Wegentscheidung, die flache, aber fünf Kilometer längere Variante oder die kürzere, dafür anspruchsvolle Bergetappe zu nehmen.

Ich entscheide mich für die Berg-Variante. Der Aufstieg hat es in sich – drei bis vier Kilometer steil bergauf, hinein in dichten Nebel, machen mir zu schaffen.

Doch oben löst sich dieser auf, und vor mir öffnet sich eine herrliche Bergwelt, still, sonnig und klar.

Der Abstieg nach Abadín führt dann flach und weit durch offene Landschaften, begleitet von herrlichem  Sonnenschein. Mein Etappenziel As Paredes entpuppt sich als winziger Ort ohne Infrastruktur, dafür aber mit einer liebevoll renovierten privaten Herberge (Albergue O Xistral). Ein stiller Ort zum Durchatmen nach einem Tag voller Kontraste zwischen Nebel, Sonne und Einsamkeit.


Etappe 23 – 14. Oktober 2025: Von Ribadeo nach Lourenzá (28 km)

Der Tag beginnt ruhig, fast andächtig. Im Hostel habe ich am Vorabend noch einige deutsche Pilger kennengelernt – einen davon treffe ich heute immer wieder unterwegs.

Schon kurz nach Ribadeo verändert sich die Landschaft grundlegend: Die Küste bleibt zurück, stattdessen bestimmen Felder, Wälder und weite Hügel das Bild.

Es ist eine naturverbundene Etappe, die sich fast meditativ anfühlt. Kaum Autos, kaum Menschen – nur Kühe, so weit das Auge reichte, und hin und wieder ein Pilger auf dem Weg. Ein Mitpilger fragt mich unterwegs, ob heute wohl Feiertag sei – so still ist es ringsum.

Als sich der morgendliche Nebel schließlich lichtet, öffnet sich der Blick auf eine friedliche, entschleunigte Landschaft, die perfekt zum Nachdenken einlädt.

Nach rund 25 Kilometern finde ich endlich eine kleine Bar, leider aber nur mit einem spärlichen Angebot: kein Bocadillo, dafür ein heißer Kaffee und ein Schokoriegel. Reicht völlig.

Seit meinem Eintritt in Galicien begegnen mir nun die typischen gelben Markierungssteine, auf denen nicht nur die Muschel prangt, sondern auch die verbleibende Entfernung bis Santiago de Compostela angegeben ist.

Auf dem letzten heute in Lourenza stehen: 162 km

Lourenza

Etappe 22 – 13. Oktober 2025: Von Navia nach Ribadeo (37 km)

Ich lasse Navia hinter mir – eine Stadt, die wenig zu bieten hatte und mich nicht wirklich fesselte.

Ähnlich wie am Vortag treffe ich schon zu Beginn einen deutschen Pilger. Seit drei Jahren im Ruhestand, will er nach dem Portugiesischen Jakobsweg nun auch den Küstenweg erleben – trotz einer hartnäckigen Fußverletzung. Wir gehen ein Stück gemeinsam, tauschen Geschichten aus, bevor sich unsere Wege trennen. Mein Tempo ist schneller, und bald wandere ich wieder allein.

Der Weg führt mich auf eine Küstenvariante des Jakobswegs – ein Umweg von rund sechs Kilometern, den ich nur zu gern in Kauf nehme. Schon aus der Ferne sehe ich die Felsen, die aus dem Meer ragen – ein Vorgeschmack auf das, was mich erwartet.

Als ich schließlich den Castro Blanco erreiche, bleibe ich einfach stehen und staune. Die schroffen Klippen, das tosende Meer, das Rauschen des Windes – all das berührt mich tief.

Ich höre das Meeresrauschen, spüre die kühle, feuchte Luft, rieche das Salz in der Brise. Die Steilküste ist von einer wilden, ungezähmten Schönheit. Ich wandere weiter, Bucht für Bucht, vorbei am Felsen La Atalaya, von dem ich die ganze Pracht der Felsküste überblicke.

Mit jedem Schritt erfüllt mich Demut und Dankbarkeit.


Zwischendurch eine offene Kirche in Tapia de Casariego, mit einer Jesus-Figur auf dem Kirchturm, anstelle eines Kreuzes. Und sie ist offen, heute ist Feiertag im Spanien und Gottesdienst. Ich nutze die Möglichkeit für ein stilles Gebet.

Kirche San Esteban

Der letzte Abschnitt des Tages führt mich über Feldwege in Küstennähe – das Meer bleibt in der Ferne, bis ich schließlich die Brücke nach Ribadeo erreiche. Dort mache ich die letzten Küstenfotos meines Weges – Erinnerungen an Wochen zwischen Himmel, Wind und Wellen.

Mit dem Gang über die Brücke nach Ribadeo überquere ich nicht nur die Grenze von Asturien nach Galicien, sondern auch eine innere Schwelle: Der Küstenweg liegt jetzt hinter mir. Vor mir beginnt ein neuer Abschnitt – das Landesinnere, das mich Schritt für Schritt nach Santiago de Compostela führen wird.


Etappe 21 – 12. Oktober 2025: Von Busto nach Navia (31 km)

Die Unterkunft lag zwar rund einen Kilometer abseits des Jakobswegs, doch der kleine Umweg hat sich mehr als gelohnt. Nach einem langen Bad in der Wanne und einer erholsamen Nacht fühle ich mich rundum regeneriert. Auch das Abendessen im einzigen Lokal des Ortes – einer dieser typischen Treffpunkte, wo Bar, Café und Restaurant eins sind – war hervorragend. Nur eines störte mich: mein nicht existentes Spanisch. (Hätte ich vielleicht doch auf Cordula gehört und noch einen Spanisch-Kurs belegt um wenigstens einige Brocken sprechen zu könne.) Zu gern hätte ich mich mit den Einheimischen unterhalten, die dort so herzlich lachten und gestikulierten.

Blick auf Busto

Am frühen Morgen führt mich der Weg zunächst steil durch ein dunkles Waldstück hinab. Im Licht meiner Stirnlampe sehe ich das Schimmern eines weiteren Pilgers etwa fünfzig Meter voraus, was mir ein Gefühl von Gemeinschaft in der Dunkelheit gibt. Kurz darauf passiere ich ein Hotel mit Bar. Der Pilger kehrt ein, ich hingegen gehe weiter – und verlaufe mich prompt zweimal. Glücklicherweise treffe ich drei deutschsprachige Wanderer, die mich auf den richtigen Pfad zurückbringen. So lerne ich eine Pilgerin aus Regensburg kennen, die ebenfalls auf dem Jakobsweg unterwegs ist. Wir verstehen uns auf Anhieb, reden über Gott und die Welt – über Camino-Erlebnisse, Familie, Beruf und Politik – und verpassen dabei gemeinsam eine Abzweigung. Ein klassischer Pilgermoment.

In Luarca trennen sich unsere Wege wieder: Meine Pilgerbegleitung bleibt für ein Frühstück, ich ziehe weiter.

Lluarca

Der Weg führt mich bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen 20 Grad über Felder, Wiesen und kleine Dörfer.

Zwei köstliche Kaffees und ein Bocadillo mit Omelett mit einer mir unbekannten, aber schmackhaften Wurst sorgen für Energie und Zufriedenheit. Das Meer sehe ich heute nur aus der Ferne.

Morgen, so hoffe ich, warten noch einmal schöne Steilküstenabschnitte, bevor der Weg sich endgültig ins Landesinnere wendet.
Mit Erreichen meines heutigen Etappenziels Navia habe ich die 600-Kilometer-Marke überschritten – das letzte Viertel des Caminos hat begonnen.

Navia

Etappe 20 – 11. Oktober 2025: Von Soto del Luina nach Busto (27,5 km)

Das nächtliche Schnarchkonzert – zu dem ich sicher selbst beigetragen hatte – ließ mich nur wenig schlafen. So breche ich heute bereits um 6:45 Uhr auf. Meine neue 42-Gramm-Stirnlampe (habe ich mir in Gijón gekauft) kommt sofort zum Einsatz, denn es ist stockdunkel und der Weg führt gleich steil bergauf. Beide Hände brauche ich für die Wanderstöcke – ein kraftvoller Auftakt in einen Tag, der laut Pilgerführer „ständig auf und ab“ verlaufen sollte. 

Doch er versprach auch mehr Steilküste als an den Tagen zuvor. Der Himmel ist klar, die Sterne funkeln – das verspricht Sonne pur.

Zwischen den ersten Auf- und Abstiegen erreiche ich die Playa Río Cabo. Dort treffe ich ein Pilgerpaar aus den USA, das mir begeistert erzählt, wie schön es unten am Strand sei. Wir wechseln ein paar Worte, stellen uns gegenseitig vor, dann zieht es mich weiter – hinunter ans Meer.

Und dann geschieht etwas, was mich tief bewegt.

Die Wucht der Wellen, das gleichmäßige Rollen der Kieselsteine, die salzige Luft,  Sonne auf der Haut, das atemberaubende Panorama – alles verschmilzt zu einem Moment vollkommener Ruhe und Dankbarkeit. Ich fühle mich eins mit diesem Ort, mit der Natur und mit mir selbst. Ein Stück Camino, das ich nie vergessen werde und an das ich eines Tages zurückkehren möchte.

Das ständige Auf und Ab der Landschaft setzt sich fort.

Jede neue Bucht belohnt mich mit neuen, grandiosen Ausblicken.

Nach 27,5 Kilometern erreiche ich Busto – erfüllt, bewegt und sicher: Dieser Tag gehört zu den ganz besonderen auf meinem Camino.


Etappe 19 – 10. Oktober 2025: Von Salinas nach Soto de Luiña (34 km)

Die Nacht war – sagen wir mal – akustisch herausfordernd. Das Hostel lag direkt an der Straße, und als einziger Gast hatte ich nicht nur absolute Ruhe, sondern auch keine Heizung. Zum Glück ist mein Schlafsack inzwischen ein treuer Begleiter, der zuverlässig wärmt. Trotzdem bin ich froh, Salinas am Morgen hinter mir zu lassen – eine Stadt, die mich nicht wirklich fesseln konnte.

Der Weg führt heute durch erstaunlich viele Waldstücke – ein stiller, fast meditativer Tag.

Solche Abschnitte schenken Raum zum Nachdenken. Und während ich so gehe, merke ich, wie sich meine Gedanken sortieren: was mir wichtig ist, was ich vermisse, was ich wirklich will. Drei Wochen bin ich nun unterwegs, und das Vermissen meiner Familie wird stärker.

Ein erster Lichtblick: El Castillo, malerisch auf einem Hügel gelegen.

Ich ahne noch nicht, dass ich den Binnensee darunter komplett umrunden muss. In Sotu’l Barcu gönne ich mir dann einen Zwischenstopp – starker Kaffee, frisch aufgebackenes Bocadillo, einfach perfekt. Der Kaffee wirkt Wunder und vertreibt meine morgendliche Müdigkeit.

Ab Mittag blitzt hin und wieder das Meer durch die dichten Bäume – kleine Glücksmomente zwischen den Schatten des Waldes. Besonders beeindruckend ist die riesige Autobahnbrücke der A8, die sich kühn über das Tal spannt.

Und kurz darauf der Strand Playa de San Pedro de La Ribera – mein Highlight des Tages. Die geschwungenen Felsen, das Rauschen der Wellen – endlich wieder diese wilde Küstenmagie, die ich in den letzten Tagen so vermisst habe.

Pilger treffe ich kaum, ziehe nur an einem südkoreanisches Ehepaar gemächlich vorbei. Die letzten fünf Kilometer haben es dann nochmal in sich: steile Anstiege, unwegsames Gelände, große Steine – eine echte Prüfung zum Tagesende.

Heute übernachte ich in einer klassischen Pilgerherberge.

Nach den stillen Nächten allein freue ich mich fast auf ein wenig Gemeinschaft – auch wenn das unvermeidliche Schnarchkonzert wohl nicht lange auf sich warten lässt.


Etappe 18 – 9. Oktober 2025: Von Gijón nach Salinas (31,5 km)

Der gestrige Pausentag hat richtig gut getan. Ich habe meine Füße hochgelegt, lecker gegessen, die Stadt erkundet – und war abends trotzdem wieder ein wenig aufgeregt, als ich meinen Rucksack gepackt habe.

Wie so oft starte ich früh. Der Weg führt zunächst am Hafen entlang durch das lebhafte Gijón, das morgens langsam erwacht. Mein Pilgerführer hat mich schon gewarnt: Diese Etappe würde nicht zu den schönsten gehören – wenig Natur, dafür viel Industrie. Immerhin sollte sie körperlich nicht allzu anstrengend werden.

Und tatsächlich: Zwischen Gijón und Avilés liegt das industrielle Herz Asturiens – geprägt von Stahlwerken, Chemieanlagen, Energiezentren und Hafenlogistik. Ich pilgere vorbei an riesigen Hallen, dampfenden Schornsteinen, Schnellstraßen und Autobahnen.

Auch das ist der Jakobsweg – nicht immer Postkartenidylle, sondern manchmal einfach Realität. Nur ein kurzes grünes Wegstück unterbricht die graue Industrielandschaft.

Umso überraschender wirkt Avilés: eine Stadt mit kontrastreichem Charakter. Zwischen historischem Altstadtkern und dem futuristischen Kulturzentrum von Oscar Niemeyer zeigt sie ein spannendes Gesicht.

Hier lege ich eine kleine Pause ein, bevor sich endlich die Sonne zeigt.

Ein letzter Anstieg, ein sanfter Abstieg – und ich erreiche Salinas, ein ruhiges Küstenstädtchen mit spürbarer Meeresnähe.


Heute habe ich nur vier Pilger getroffen, deutlich weniger als an den Tagen zuvor. Vielleicht haben einige diese Etappe tatsächlich ausgelassen und den Bus genommen?

So endet ein eher unspektakulärer, aber dennoch ehrlicher Camino-Tag mit dem Gefühl, wieder ein Stück weitergekommen zu sein. 


8. Oktober 2025: heute wird pausiert

Die freundlichen Mitarbeitenden der Touristeninformation stempeln mir nicht nur meinen Pilgerpass, sondern geben mir auch wertvolle Tipps, wie ich in nur drei Stunden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden kann.

Gijón – ein Abstecher auf dem Camino del Norte

Hier kannst Du den Blogbeitrag zu Gijón lesen.


Etappe 17 – 7. Oktober 2025: Von Villaviciosa nach Gijón (31 km)

Heute werde ich von einem laut dröhnenden Geräusch geweckt, das ich zunächst für eine Bohrmaschine halte. Es stellt sich heraus, dass es die Kaffeemaschine im Flur des Hostels ist – ein betagtes Modell, das gegen Einwurf von 50 Cent Pulverkaffee produziert.

Diesmal mache ich nicht den Fehler, ohne Kaffee zu starten, aber nicht mit dem Hostel-Kaffee, und so gehe ich auf die Suche nach diesem morgendlichen Lebenselixier – und werde fündig: eine kleine Bar unweit des Camino, in der es hervorragende Bocadillos und kräftigen Kaffee gibt. Gestärkt verlasse ich Villaviciosa und tauche bald in die ländliche Ruhe Asturiens ein.

Unterwegs lerne ich ein Paar aus Kanada kennen, das sich über mein Tempo wundert. Später überholt mich ein Pilger aus Barcelona, als der Weg auf den ersten steilen Anstieg führt – rund 400 Höhenmeter, die es in sich haben.


Danach wird es still: nur ich, der Weg und die Natur.

Ein besonderer Moment des Tages ist der Halt in der Bar El Curbiellu. Geführt wird sie von einer älteren Dame, die zugleich Wirtin, Ladenbesitzerin und Herz des kleinen Ortes ist. Die Bar ist Treffpunkt, Café, Mini-Markt und Kommunikationszentrale zugleich. Ich beobachte das lebhafte Miteinander, verstehe kein Wort, spüre aber deutlich, welchen Wert solche Orte für die Menschen hier haben.

Von der Bar aus bietet sich ein großartiger Blick auf Gijón, das etwa 12 Kilometer entfernt im Tal liegt. Der Rest des Weges verläuft angenehm bergab – vorbei an Spaniens größtem Bauwerk, der imposanten Universidad Laboral de Gijón, …

… einer Stierkampfarena und ..,

… schließlich durch die Hochhausschluchten der Stadt bis hinunter zum Meer.

Am Ende des Tages erreiche ich meine Unterkunft am Hafen. Nach 31 Kilometern und vielen Eindrücken steht fest: Morgen wird pausiert – Zeit zum Durchatmen und Ankommen.


Etappe 16 – 6.10.2025: Von Ribadesella nach Villaviciosa (38 km)

Letzte Nacht gönnte ich mir etwas Besonderes: ein Hotelzimmer – und das zu einem ausgesprochen guten Preis in der Nebensaison. Das Highlight war eine Heizung im Bad, die mir endlich half, meine durchnässten Schuhe zu trocknen. Trockene Schuhe sind auf dem Jakobsweg Gold wert, besonders nach zwei Tagen voller Regen. Eine Blase hat sich trotzdem gebildet – das unvermeidliche Souvenir eines langen Pilgertages.

Der heutige Tag verlangt mir einiges ab – landschaftlich ein Traum, körperlich jedoch ein echter Kraftakt. Mit 38 Kilometern überschreite ich mein selbst gesetztes Limit deutlich. Bei kühlen zehn Grad starte ich noch in der Dunkelheit und lasse die Stadt hinter mir. Das Rauschen des Meeres begleitet mich, bis ich nach rund sechs Kilometern das kleine Dorf Vega erreiche. Die alten Mauern, die Häuser im weichen Morgenlicht – ein Ort wie aus der Zeit gefallen, vor allem bei Sonnenaufgang.

Besonders beeindruckend finde ich die typischen Hórreo-Stelzenhäuser, die hier überall zu sehen sind. Früher dienten sie als Speicher für Mais und Getreide – heute erzählen sie Geschichten einer alten bäuerlichen Kultur.

Der Weg führt weiter entlang der Küste, vorbei an einsamen Stränden, an denen nur vereinzelte Spaziergänger zu sehen sind. Viele der kleinen Orte wirkten wie im Winterschlaf – ein seltsamer, stiller Zauber.

Nach 19 Kilometern erreiche ich schließlich Colunga, wo mich der erste Kaffee und ein Croissant wiederbeleben sollen. Trotz des perfekten Wetters – Sonne, blauer Himmel, milde Temperaturen – merke ich, dass meine Kräfte heute nachlassen. Die Füße schmerzen, und die zweite Hälfte des Weges zieht sich endlos dahin.

Hinter Colunga entfernt sich der Camino wieder von der Küste. Die Landschaft bleibt reizvoll, doch die Autobahn in Hörweite raubt der Stille etwas von ihrer Magie.

Viermal treffe ich heute den Pilger aus Kanada, der offenbar ein ähnliches Tempo hat, wie ich. Auch er kämpft mit Blasen und erzählt mir lachend, er habe unterwegs ein Schläfchen von 20 min auf einer Bank gemacht.

Nach fast neun Stunden, unzähligen Pausen und einer Menge Durchhaltewillen erreicht ich schließlich erschöpft Villaviciosa.

In der Herberge warten vertraute Gesichter – unter anderem der Pilger aus der Schweiz, der mich mit den Worten begrüßt: „Ich dachte schon, ich sehe dich gar nicht mehr!“

Ein schöner Moment. Vielleicht war es heute meine härteste Etappe – aber auch eine, die mir wieder zeigte, wie sehr dieser Weg Körper und Geist gleichermaßen fordert und beschenkt. Morgen geht es weiter Richtung Gijón – und vielleicht danach ein wohlverdienter Pausentag.


Etappe 15 – 5.10.2025: Von Poo de Llanes nach Ribadesella (28 km)

Den inneren Schweinehund zu besiegen bedeutete gestern, trotz strömenden Regens weiterzugehen – und nicht in den Bus zu steigen, der mich bequem ans Etappenziel gebracht hätte. Es bedeutet heute: in die klammen Sachen zu steigen – nasse Socken, feuchte Schuhe, kalter Stoff. Und trotzdem: Ich gehe weiter. Ziel ist Ribadesella.

Zunächst bleibt es regenfrei, und ich genieße noch einmal den Blick auf den Strand von Celorio, der bereits im Winterschlaf liegt.


Hotels, Apartments und Restaurants sind geschlossen, die Rollläden heruntergelassen – Orte, die nur im Sommer zu leben scheinen. Der Weg führt mich erneut durch ländliche Gebiete, die mich mit ihrer Bauweise, Farbigkeit und Geschichte immer wieder überraschen. Besonders eindrucksvoll ist die Kirche Nuestra Señora de los Dolores – die „Schmerzensmutter“.

Auch das Bergpanorama kommt nicht zu kurz; es begleitet mich den gesamten Tag auf meiner linken Seite.

Ich pilgere weiter zur Playa de San Antolín de Bedón und bleibe einen Moment stehen – die Natur ist wild, das Meer aufgewühlt, die Wellen donnern an den Strand.

Als sich der Himmel wieder zuzieht, ziehe ich diesmal rechtzeitig meine Regenkluft über – eine weise Entscheidung, denn wenig später beginnt es zu schütten. Ich wähle diesmal die Straße, in der Hoffnung, irgendwo einkehren zu können. Nach sechs Kilometern finde ich endlich eine Bar – warm, trocken, mit Kaffee und Bocadillo. Lustigerweise läuft dort die Musikgruppe Modern Talking in Dauerschleife. Es stört mich kein bisschen – im Gegenteil: Die Musik, der Regen draußen, die Gespräche der Einheimischen, das Lachen – all das hat etwas wunderbar Alltägliches. Nur verstehen kann ich leider nichts.

Gestärkt pilgere ich weiter, hinein ins Ländliche. Ich überquere eine Weide mit Milchkühen und einem wiederkäuenden Bullen – sie schauen mich an, als wollten sie fragen, was dieser Pilger hier eigentlich sucht.

Dahinter liegt eine Kirche, deren Tür offensteht. Der Gottesdienst ist gerade beendet. Ich nutze die Gelegenheit und trete kurz ein um zu beten. Es tut gut, in dieser Stille zu verweilen. Wenig später finde ich eine kleine Kapelle und dort auch einen Pilgerstempel – solche Momente sind selten geworden.

Der Tag bleibt still und einsam. Nur ein einziger Pilger überholt mich kurz vor Ribadesella mit einem freundlichen „Buen Camino“. Das Alleinsein lässt viel Raum zum Nachdenken – Zeit, Dinge Revue passieren zu lassen, neu zu sortieren und innerlich aufzuräumen.

Ribadesella empfängt mich schließlich mit seinem besonderen Charme: Das ehemalige Fischerdorf liegt malerisch an der Mündung des Flusses Sella.

Der Hafen, geschützt von einer Halbinsel, die wie der Kopf eines Seepferdchens aussieht, trennt die Altstadt vom modernen Teil der Stadt und vom wilden Meer, das nur durch die Mauer der Strandpromenade gebändigt wird.

Und dann ist endlich Waschtag! Ich finde einen kleinen Waschsalon – ein unscheinbarer Ort, der sich anfühlte wie Luxus: keine mühsame Handwäsche, sondern das beruhigende Surren einer Maschine.

Ein nasser, aber friedlicher Tag geht zu Ende – mit dem Gefühl, wieder ein Stück weiter über mich selbst hinausgewachsen zu sein. 


Etappe 14 – 4.10.2025: Von Puentes nach Poo de Llanes (33 km)

Das gestrige Pilgermenü wurde wieder einmal spät serviert – erst gegen 20:30 Uhr konnten wir bestellen, und entsprechend später kamen dann die drei leckeren Gänge auf den Tisch. Der Preis war wie so oft auf dem Jakobsweg fair, das Essen einfach, aber gut. Gemeinsam mit einer Pilgerin aus den Niederlanden und den mir schon liebgewordenen Pilger aus aus der Schweiz verbrachte ich einen wunderbaren Abend. Wir sprachen offen über unser Leben, unsere Wege, unsere Beweggründe in einer Vertrautheit, wie sie wohl nur unter Pilgern entsteht.

Draußen verabschiedete sich der Tag mit einem spektakulären Abendrot.

Der Pilger aus der Schweiz, der sich auf alte Bauernregeln verstand, meinte schmunzelnd: „Morgenrot gibt ein nasses Znünibrot!“ – was so viel bedeutet wie: Nur wenn der Himmel morgens rot glüht, droht schlechtes Wetter. „Znüni“ ist übrigens das schweizerische Wort für das zweite Frühstück. Leider sollte sich die Regel am nächsten Tag als unzuverlässig erweisen.

Am Morgen starte ich im Halbdunkel, gestärkt mit einem improvisierten Frühstück: Weißbrot vom Vorabend, gefüllt mit zwei Käsestücken. Meinen ersten Kaffee trinke ich in Unquera – dem letzten Ort Kantabriens. Über die Puente de Unquera überquere ich die Brücke und betrete Asturien – das nächste Kapitel meiner Reise.


Ein steiler Anstieg bringt mich ordentlich ins Schwitzen, doch oben wartete ein fantastischer Blick auf das Gebirgsmassiv der Sierra del Cuera.

Wenige Kilometer später führt der Weg wieder hinab zur Küste, wo mich die Steilküste mit ihrer rauen Schönheit einmal mehr in ihren Bann zieht.


Ich verweile an einem Punkt, an dem ich gleichzeitig auf das Meer und auf die Felsen blicken kann – ein Moment stiller Magie. Ich wünschte, meine Liebsten könnten ihn mit mir teilen. Weiter geht es über Wiesen und Felsen, hinauf und hinab, immer entlang der Küste.

Unterwegs lerne ich eine Pilgerin aus Hamburg kennen, die bereits einen weiteren Jakobsweg gegangen war. Wir unterhielten uns über unsere Motivation – und genau in diesem Moment setzt der Regen ein. Erst sanft, dann kräftig.

Kurz darauf erreiche ich die Bufones de Arenillas – natürliche Felsöffnungen, durch die das Meerwasser mit lautem Zischen nach oben schießt, als würde ein Wal ausatmen. Ein faszinierendes Naturschauspiel, das mich trotz des Regens in seinen Bann zieht.
Doch der Regen bleibt. Stunde um Stunde, bis zur Ankunft im Hostel. Bald ist alles durchnässt: Jacke, Hose, Socken, Schuhe – einfach alles. Es regnet nicht von oben, sondern von vorn, und irgendwann denke ich an die besagte Bauernregel vom Vorabend– und daran, dass Pilgern eben auch manchmal heißt, Unbequemes anzunehmen: Pilgern ist auch ein wenig Leiden.

Kurz vor meinem Etappenziel durchquere ich noch Llanes (gesprochen Jannes), ein lebendiges Städtchen mit vielen Läden und Restaurants.

Dort decke ich mich mit Proviant für den Abend ein und bin froh, schließlich in meiner Unterkunft in Poo de Llanes anzukommen – klatschnass, aber zufrieden.

Fazit:

Dieser Tag war einer der anstrengendsten der bisherigen Reise – nass, windig und fordernd. Doch zwischen Regen und Steilküste, zwischen den Gesprächen und den stillen Momenten am Meer, lag auch eine besondere Schönheit. Es sind genau diese Tage, an denen der Jakobsweg seine ganze Wahrheit zeigt: Pilgern ist nicht nur Gehen, sondern Annehmen – von Wetter, Weg und sich selbst.


Etappe 13 – 3.10.2025: Von Cóbreces nach Pesues (29,5 km)

Eine Sache, die in Spanien für Pilger manchmal wirklich unpraktisch ist, betrifft die Essenszeiten: Frühstück in den Unterkünften gibt es oft erst ab 8:30 Uhr – zu einer Zeit, in der viele von uns längst unterwegs sind. Ich selbst startete meist zwischen 7:00 und 7:30 Uhr, manche sogar noch früher, dann aber mit Stirnlampe. Ähnlich schwierig sind die späten Abendessen ab 20:00 Uhr, besonders in Orten ohne Lebensmittelgeschäft, wo man sich nicht selbst versorgen kann.

So breche ich auch heute wieder ohne Frühstück auf.

Ich pilgere knapp zwei Stunden bis nach Comillas, wo ich mir eine köstliche Tortilla mit Weißbrot und einen Kaffee gönne.

Gut gestärkt steige ich anschließend aus diesem kleinen, anschaulichen Städtchen herauf.

Dabei stoße ich auf beeindruckende Bauwerke: den Sobrellano Palast (rechts), ein neugotisches Schmuckstück des 19. Jahrhunderts mit Möbeln von Gaudí, sowie die Capilla-Panteón de los Marqueses de Comillas (links), die fast wie eine kleine Kathedrale wirkt und zugleich Mausoleum der Familie war.

In Comillas steht übrigens auch ein echtes Gaudí-Werk: El Capricho, eine verspielte Villa mit Sonnenblumen-Ornamenten – leider verpasse ich sie auf meinem Weg.

Mit kräftigen Schritten verlasse ich die Stadt und wandere entlang der Küste weiter.

Vorbei an Naturschutzgebieten erreiche ich Oyambre, wo Marielle vor Jahren das Surfen gelernt hatte – und auch heute noch nutzen viele Surfer die kraftvollen Wellen.

Kaum lasse ich die Bucht hinter mir, öffnet sich bereits die nächste: die Playa de Merón, die ich durchwandere und die wie ein endloses Band aus Sand wirkt.


In San Vicente de la Barquera legte ich meine Mittagspause ein, bevor der Weg mich weg von der Küste und hinein in ein großartiges Bergpanorama führt. Dort peile ich schließlich mein Etappenziel Pesues an.

Zuvor mache ich noch Halt in einer Bar, die um 15:30 Uhr bereits rappelvoll mit Einheimischen ist – Kaffee ist da längst nicht das einzige Getränk auf den Tischen. Dort begegne ich einer Pilgerin aus den Niederlanden, die bereits seit drei Wochen unterwegs ist, aber wegen einer Fußverletzung pausieren musste. Später treffe ich auch den Pilger aus Kanada wieder, der sich mit Chips und Wasser versorgt hatt und nun tapfer seine dritte Blase bekämpft – mit einer Strategie, die immerhin zu funktionieren scheint, die Blase nämlich nicht zu öffnen.

In der Unterkunft erlebe ich dann noch eine Überraschung: Der Inhaber spricht mich auf Deutsch an. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er lange in Augsburg gelebt hatte – den Dialekt hört man ihm bis heute an.


Etappe 12 – 2.10.2025: Von Boo de Piélagos nach Cóbreces (31,5 km)

Der gestrige Abend führte mich in ein Restaurant, das auch einige andere Pilger für ihr Abendessen ausgewählt hatten. Dort begegnete ich einem alten Bekannten – den Pilger aus der Schweiz, mit dem ich bereits zuvor ein Stück des Weges geteilt hatte. An seinem Tisch saß außerdem ein Pilger aus Nürnberg, der schon seit vielen Jahren auf den verschiedenen Jakobswegen in Spanien, Portugal und Frankreich unterwegs gewesen war. Wir verbrachten einen sehr netten Abend, tauschten unsere Pilgererfahrungen aus und ich erhielt dabei auch einen wertvollen Hinweis: Die heutige Route weicht vom Originalweg ab, da eine Brücke inzwischen baufällig geworden war. Statt einen langen Umweg in Kauf zu nehmen, konnten Pilger diesen Abschnitt mit der Bahn überbrücken – ein Angebot, das ich dankbar annahm.

Der anschließende Weg führt mich ins Hinterland, größtenteils über Asphalt und durch kleine Dörfer. In einer typischen Bar, die zugleich auch Café war und somit tagsüber und abends genutzt wird, gönnte ich mir ein kräftigendes Frühstück: ein Bocadillo, gefüllt mit einem Chorizo-Omelett, dazu ein herrlich aromatischer Kaffee. Gut gestärkt pilgere ich weiter, und Kilometer um Kilometer vergehen fast wie im Flug.

Ein Höhepunkt ist zweifellos Santillana del Mar, eine historische Stadt mit jahrhundertealten Straßen und Häusern. Namensgebend war die Stiftskirche der heiligen Juliana – Santa Juliana – Santilliana. 

Auch die folgenden Dörfer beeindrucken mit alten Höfen, Kirchen und kleinen architektonischen Schätzen.

Am späten Nachmittag erreiche ich meine Unterkunft, idyllisch gelegen direkt am Meer.

Dort treffe ich auch meine Pilgerbekanntschaft vom Vorabend wieder, und wir setzen unsere Gespräche fort – diesmal noch ein Stück tiefer, getragen von der besonderen Offenheit, die der Jakobsweg immer wieder zwischen Fremden entstehen lässt.


Etappe 11 – 1.10.2025: Von Güemes nach Boo de Piélagos (29,5 km)

Endlich mal eine Nacht richtig gut geschlafen! Vielleicht lag es daran, dass ich mir gestern im Restaurant ein komplettes Menü gegönnt habe – Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise. So ein echtes Pilger-Luxusgefühl. Am Morgen überleg ich kurz, ob ich frühstücken gehe, doch das süße Angebot in der Bar überzeugt mich nicht. Also starte ich einfach direkt.

Schon auf den ersten Kilometern treffe ich wieder Pilger, die wie ich in Güemes Halt gemacht hatten.

In einer Bar gibt es endlich mal wieder Bocadillos, und wie immer fällt mir auf: Fast jede kleine Panadería oder Bar hier in Spanien hat eine richtige Siebträgermaschine. Der Kaffee schmeckt dadurch einfach großartig – kräftig, aromatisch, ein Genuss!

Die nächsten zehn Kilometer sind ein Traum: ein Postkartenmotiv nach dem anderen. Der Weg führt spektakulär an den Klippen der Steilküste entlang in Richtung Somo. Ich kann mich kaum sattsehen, halte ständig an, fotografiere aus allen Perspektiven.

Unterwegs treffe ich deutsche Camper, die mir Tipps geben, wo man hier gut und sogar kostenlos mit seinem Campervan stehen kann. Kein Wunder, die Region ist bei Campern und Surfern besonders beliebt.

Dann geht es hinunter ans Meer: erst durch eine kleine Sandbucht, dann an den langen Strand von Somo.

Barfuß laufe ich ein Stück durch den nassen Sand, kühle meine müden Füße – eine Wohltat!

Schließlich steuere ich auf die Fähre zu, dort treffe ich alte Pilgerbekanntschaften der letzten Tage, auch die Pilgerin aus den USA von der ersten Etappe. Die Fähre bringt mich in nur 15 Minuten nach Santander. Eigentlich sollte das heute mein Etappenziel sein.

Doch als ich in der Stadt ankomme, umgeben von Menschen, Autos und dem hektischen Verkehr, spüre ich sofort: Das passt nicht zu meinem Pilgerrhythmus. Also ziehe ich weiter, hinaus aus der Stadt, hinein ins ruhigere Umland.

Weitere 14 Kilometer liegen noch vor mir. Unterwegs treffe ich neue und alte Bekannte: u.a. den Pilger aus Kanada, der mir vor einigen Tagen schon Reisetipps für Toronto und Umgebung gegeben hatte. Wir lachen zusammen über seine Anekdote: Gleich am ersten Tag ist er 50 Kilometer gelaufen, hatte danach Blasen an beiden Füßen – die inzwischen verheilt sind. Doch nun hat er sich ausgerechnet auf den letzte Metern zum Etappenziel neue Blasen gelaufen. Er nimmt es gelassen und lacht einfach drüber.

So endet dieser Tag – mit viel Küste, Begegnungen und der Erkenntnis: Manchmal ist es gut, spontan den eigenen Plan zu ändern und noch ein Stück weiterzugehen.


Etappe 10 – 30.9.2025: Von Laredo nach Güemes (27,5 km)

Heute darf der Tag etwas ruhiger beginnen. Die erste Fähre nach Santoña legt nämlich erst um 9 Uhr ab – genug Zeit also für ein kleines, selbst organisiertes Frühstück. Doch bis dahin wartet noch der fünf Kilometer lange Strand von Laredo auf mich.

Schon gestern hatte mich die Dame aus der Touristeninformation augenzwinkernd gewarnt: „Den müssen Sie morgen komplett gehen.“ Tatsächlich zieht sich die Promenade endlos hin, bietet aber immer wieder schöne Blicke auf den Strand und den Sonnenaufgang.

Am Ende des Strandes nimmt die kleine Fähre die wartenden Pilger auf – etwa zehn stehen schon vor mir.

Die Überfahrt dauert nur fünf Minuten, bringt aber eine willkommene Abwechslung in den Pilgeralltag. In Santoña angekommen, gönne ich mir erst einmal einen Kaffee. Mittlerweile funktioniert die Kaffee-Bestellung auf Spanisch immer besser.

Dann geht es weiter zum Strand von Punta El Brusco, dessen Landschaft mich an die Bretagne erinnerte. Schuhe aus, durchs kühle Wasser waten – das gehört zum Camino am Meer einfach dazu.

Der nächste Abschnitt hat es in sich: Ein steiler, fast alpiner Aufstieg über Felsen fordert ordentlich Kraft und Trittsicherheit. Ich staune nicht schlecht, als ein älteres Ehepaar in Sandalen denselben Weg versucht – hoffentlich kommen sie heil wieder unten an. Oben angekommen belohnt mich der Blick auf den 2,2 km langen Strand von Helgueras, der sich nach dem Abstieg wie ein goldenes Band vor mir ausbreitet.

Dort treffe ich einen Amerikaner, der voller Begeisterung staunt , wie viele Millionen Menschen diesen Weg wohl schon gegangen sind.

Tatsächlich schätzt man, dass seit Beginn der Pilgerbewegung rund 20 bis 30 Millionen Menschen den Camino del Norte erwandert haben – allein seit 1980 sind es etwa sechs Millionen.

Nach dieser Begegnung führt mich der Weg wieder landeinwärts.

Obwohl der Camino del Norte auch Küstenweg genannt wird, verlaufen tatsächlich nur circa 250-300 km entlang der Küste. In vielen Abschnitten ist der direkte Küstenpfad nicht durchgehend aufgrund Klippen, Privatgrundstücke, Schutzgebiete etc. begehbar. Darüber hinaus orientierte sich der historische Jakobsweg oft an sicheren Routen durchs Landesinnere wie Städte oder Klöster.

Wow, heute bin ich bereits 10 Tage unterwegs und habe bereits knapp 262 km zurückgelegt.


Etappe 9 – 29.9.2025: Von Castro Urdiales nach Laredo (31 km)

Die gestrige Etappe mit 34 Kilometern steckt mir noch spürbar in den Knochen. Entsprechend schwer fällt mir heute Morgen der Start – eigentlich habe ich wenig Lust, loszugehen. Doch wie so oft gilt: Der erste Schritt bringt alles ins Rollen.

Kaum bin ich aus Castro Urdiales hinaus, belohnen mich die frühen Sonnenstrahlen mit einem traumhaften Blick zurück auf die Stadt.

Dazu der obligatorische café con leche in einer kleinen Bar – ein Ritual, was ich für mich als Pilger gefunden habe. Wenig später treffe ich erneut auf den Pilger aus London, den ich gestern schon kennengelernt hatte. Gemeinsam gehen wir ein Stück, tauschen Reisegeschichten und Gedanken über den Job aus.

Zunächst begleitet uns die Autobahn, doch bald öffnet sich der Weg wieder zur Küste. Plötzlich liegt das Meer direkt vor uns, wild und weit.


Die Freude steht mir ins Gesicht geschrieben – für solche Momente gehe ich. Der Pfad führt längere Zeit direkt an den Klippen entlang, bevor er wieder ins Landesinnere abbiegt. An einem Campingplatz kehre ich ein, gönne mir ein bocadillo und Kaffee und komme mit einem Kanadier ins Gespräch, der mir spannende Tipps für mögliche Kanada-Reisen gibt.

Zurück im Inland treffe ich ein deutsches Ehepaar, das nur eine Woche pilgert, aber sofort eine Sympathie ausstrahlt.

Wir gehen eine Weile zusammen, reden über Gott und die Welt und teilen eine Pause. Von ihnen erfahre ich, dass auch der Pilger aus der Schweiz, den ich vor Tagen schon getroffen hatte, noch „im Rennen“ ist – eine Nachricht, die mich sehr freut.

Nach rund 15 Kilometern taucht endlich wieder das Meer auf: insbesondere die Playa de San Julián – ein weiter, wilder Strand, der sich unterhalb von grünen Hügeln erstreckt.

Der anschließende Aufstieg schenkt mir noch einmal grandiose Naturblicke, bevor es in einen steinigen, kräftezehrenden Abstieg nach Laredo geht.

Dort angekommen weiß ich, warum die Stadt zu den schönsten Buchten Kantabriens gezählt wird.

Ein würdiges Etappenziel, auch wenn ich spüre, wie müde ich heute bin. Morgen wartet die nächste Herausforderung: die Fähre nach Santoña, die allerdings erst um 9 Uhr ablegt.


Etappe 8 – 28.9.2025: Von Portugalete nach Castro Urdiales (34 km)

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Freude ich morgens aufwache – trotz der Gewissheit, wieder 25 bis 30 Kilometer vor mir zu haben. Diese Vorfreude auf neue Eindrücke, Begegnungen und letztlich auch auf das Ankommen in Santiago ist riesig. Offenheit gehört inzwischen dazu: Hostels, Privatunterkünfte, Pilgerherbergen – alles hat seinen Reiz. In Portugalete übernachtete ich beispielsweise in einer Turnhalle, wo uns eine ältere Hospitalera herzlich umsorgte. Mit viel Geduld begrüßte sie alle 15 Pilger einzeln, stempelte unsere Pässe und erklärte alles Wichtige. Am Morgen überraschte sie uns sogar mit einem kleinen Frühstück – Kaffee, Toast, Marmelade, Kekse. Keine feste Gebühr, nur eine Spende: gelebte Pilgertradition.

Um 7 Uhr breche ich auf. Zehn Kilometer lang führt der Weg auf asphaltierten Rad- und Fußwegen hinaus aus der Stadt bis nach Las Arenas.

Dort gönne ich mir einen Kaffee und ein Bocadillo mit Schinken aus der Region – einfache Dinge, die auf dem Weg besonders köstlich schmecken.

Kurz darauf stehe ich am Meer. Der erste Blick auf den Strand ist ein Geschenk, nach so viel Beton und Asphalt. Ein langer Treppenanstieg bringt mich schließlich auf den Panoramaweg. Unterwegs helfe ich noch einem Radpilger aus Belgien, der bereits drei Wochen unterwegs ist und in Antwerpen gestartet ist.

Die nächsten Kilometer wandere ich bewusst langsam; immer wieder bleibe ich stehen, um Fotos zu machen und die Küstenblicke in mich aufzusaugen.

Doch irgendwann kommt die Entscheidung: ein riskanter Straßenabschnitt mit nur 7 Kilometern Wegstrecke – oder die Originalstrecke mit 16 Kilometern durchs Hinterland? Natürlich entscheide ich mich für den Umweg.

Der führt mich durch Baltezana, ein kleines Dorf, das ich nur als „Hundedorf“ bezeichnen kann. Gefühlt vor jedem Haus ein Hund, der bei meinem Vorbeigehen bellt – und das so ansteckend, dass das ganze Dorf im Kanon antwortet. In dem Tal hallt das Bellen noch lange nach, selbst als ich schon weit bergauf unterwegs bin.

Nach 34 Kilometern erreiche ich schließlich Castro Urdiales. Meine Unterkunft liegt diesmal in einem Hochhauskomplex und ist gar nicht so leicht zu finden – keine Namensschilder, nur Nummern. Drinnen empfängt mich die Gastgeberin im Wohnzimmer mit einem kühlen Bier – genau das Richtige nach einem langen Tag.

Die Stadt selbst überrascht mich: Von der Oberstadt mit ihren Hochhäusern wirkt Castro eher unscheinbar, doch am Meer offenbart sich sein wahrer Charme. Ein mittelalterlicher Kern, die mächtige gotische Kirche Santa María de la Asunción, das Castillo-Faro mit seinem Leuchtturm über dem Atlantik, dazu enge Gassen, Fischrestaurants und eine lebhafte Uferpromenade – ein wunderbarer Ort, um anzukommen.


Heute habe ich das Baskenland verlassen. Ab jetzt wird mich Kantabrien auf meinem Camino begleiten.


Etappe 7 – 27.9.2025: Von Bilbao nach Portugalete (15 km)

Von Küste ist heute keine Spur – stattdessen begleitet mich der Nervión, der sich durch Bilbao schlängelt und bis nach Portugalete zieht. Wasser ist also trotzdem reichlich da, wenn auch ohne Meeresrauschen.

Mein Tag beginnt früh. Ein hustender und schniefender Mitbewohner im Hostel treibt mich schon um 6:30 Uhr aus dem Bett. Im Nachhinein ein Glück, denn so kann ich das Außengelände des Guggenheim Museums ganz in Ruhe erleben – ohne Menschenmassen, nur ich, die klare Morgenluft und dieses außergewöhnliche Bauwerk. Zuvor gibt es endlich nach Tagen auch wieder ein Frühstück, das seinen Namen verdient.

Das Guggenheim ist weit mehr als ein Museum: Schon von außen wirkt es wie eine riesige Skulptur aus Titan, Glas und Stein, die im Morgenlicht leicht golden schimmert. Für einen Besuch im Inneren ist es noch zu früh, doch zwischen Treppen, Wasserflächen und der monumentalen Spinne Maman kann ich spüren, welche Bedeutung Architektur für diese Stadt hat.

Der weitere Weg führt mich am Fluss entlang – vorbei an Häfen, Industrieanlagen, Baustellen und unzähligen Joggern und Rennradfahrern.

Nach gut 15 Kilometern erreicht ich Portugalete, mein Etappenziel. Länger will ich heute nicht gehen, da die nächste Unterkunft erst über 25 Kilometer weiter liegt.

Das Highlight zum Schluss: die Biskaya-Brücke. Sie ist die älteste noch in Betrieb befindliche Schwebebrücke der Welt und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Für 55 Cent lasse ich mich mit ihr auf die andere Seite tragen – ein kurzer, fast schwebender Moment.

Bevor ich die Pilgerherberge suche, verschaffe ich mir zuvor noch einen Eindruck der Stadt, die in den Berg hineingebaut wurde und ihren Bürgern und Touristen einen besonderen Service verschafft: Rolltreppen, die in die Stadt führen.


Etappe 6 – 26.9.2025: Von Gernika-Lumo nach Bilbao (30,5 km)

Schon nach den ersten Kilometern spüre ich: Heute gehe ich mit Leichtigkeit. Freiheit, Unbestimmtheit – und das gute Gefühl, nur aus dem Rucksack zu leben. Gehen, essen, schlafen – und dabei in Ruhe über das eigene Leben nachdenken. Jeder Schritt nimmt mir ein Stück Last ab.

Der Weg selbst ist fordernd. Wunderschöne Ausblicke auf Gernika zum Start, kühle 8 Grad am Morgen, später über 20 Grad und Sonne satt.

Auf einem zehn Kilometer langen, eintönigen Straßenstück ist Sonnencreme mein wichtiger Begleiter.

Nach 23 Kilometern warten dann noch 400 Höhenmeter, die alles von mir abverlangen.

Der Abstieg nach Bilbao ist abenteuerlich: unzählige Treppen und verwirrende Wege. In dem Moment wünsche ich mir die Rolltreppen von Hongkong herbei. Nach sechs Tagen Ruhe ist die Ankunft in der Großstadt ein kleiner Kulturschock. Morgen geht es zum Glück zurück an die Küste.

Heute sind besonders viele Pilger unterwegs. Darunter eine Würzburgerin, die ein solches Tempo vorgibz, dass wir uns bereits nach zehn Minuten wieder trennen – kurze Begegnungen, die dennoch bleiben.

Mein Highlight: Endlich habe ich ein System gefunden, wie ich meinen Rucksack packe. Eine Kleinigkeit im Alltag, die auf dem Jakobsweg aber Gold wert ist.


Etappe 5 – 25.9.2025: Vom Kloster Zenaruzza in Ziortza-Bolibar nach Gernika-Lumo (19 km)

Die Nacht endet früh – um 5:30 Uhr. Nach einem einfachen, aber stärkenden Frühstück aus Baguette mit Marmelade und Kaffee breche ich in die Dunkelheit auf.

Der Weg führt fast ausschließlich über Waldpfade, die vom Regen der letzten Tage tief aufgeweicht sind.

Aussichtspunkte gibt es nur wenige, und doch wird es nie aufgrund der abwechslungsreichen Wegeführung langweilig.

Was hier jedoch fehlt, sind Rastmöglichkeiten – keine Bänke zum Verweilen keine „Almen“ oder ähnlich.

Schon nach 19 Kilometern erreiche ich mein Tagesziel: Gernika-Lumo.

Bei meiner kleinen Stadtbesichtigung stoße ich auf den Foru-Platz mit seinen historischen Gebäuden und Museen.

Besonders beeindruckend ist die Versammlungshalle der baskischen Provinzversammlung – und gleich daneben ein Naturdenkmal: der große Eukalyptusbaum.

Schon unterwegs sind mir die Eukalyptus-Wälder aufgefallen, die wohl im 19 Jahrhundert aus Australien importiert wurden.


Etappe 4 – 24.9.2025: Mutriku nach Ziortza-Bolibar (29,5 km)

Heute verlässt der Camino die Küste und führt für nun die nächsten 80 Kilometer durchs Landesinnere bis Bilbao– leider heute bei Dauerregen bis weit in den Nachmittag hinein. Der Tag beginnt im Dunkeln durch ein Waldstück, anschließend geht es gefühlt endlos bergauf auf teils abenteuerlichen Pfaden.


Kuriose Begegnungen gibt es reichlich: Eine Pilgerin, die ihren Rucksack am Berg zurücklässt, weil sie ihre Stöcke vergessen hat – die Passage lief sie dann dreimal. Ein junger Pilger trägt sein Zelt unter dem Arm statt im Rucksack, ein Pilger aus Südkorea ist bereits nach den ersten 10 km völlig erschöpft, hat aber noch mindestens 16 km vor sich. Auch der Pilger vom Vortag aus der Schweiz mit mit seinem schmerzenden Knie treffe ich wieder – tapfer humpelnd. Sein Spruch „Leiden und Pilgern – es kommt in beiden Wörtern ein L vor“.

Besonders eindrücklich ist die Kapelle San Miguel de Arretxinaga: ein sechseckiger Bau aus dem 18. Jahrhundert, in dessen Innerem drei riesige Naturfelsen den Altar umschließen. Umgeben von Lagerhallen wirkt dieser Ort fast surreal.

Tagesziel heute ist das Kloster Zenaruzza.

Und dann ein kleines persönliches Jubiläum: Heute habe ich die ersten 100 Kilometer geschafft.


Etappe 3 – 23.9.2025: Von Getaria nach Mutriku (22 km)

Die zweite Nacht im Mehrbettzimmer war alles andere als erholsam – Schnarchkonzert inklusive, Vorhänge hin oder her. Früh raus, schnell Kaffee und Croissant, und weiter geht’s. Ein Rucksacksystem habe ich immer noch nicht gefunden – das tägliche Chaos nervt.

Der Camino startet gleich mit einem knackigen Anstieg, dafür belohnt mich die aufgehende Sonne mit wunderbaren Fotos. 

Hinter Zumaia mit seinem malerischen Hafen führt der Weg über Felder, Wiesen und vor allem matschige Waldwege nach Deba – Bilderbuchkulisse, aber anstrengend.


Unterwegs gibt es auch Begegnungen: eine Pilgerin aus dem Schwarzwald, die drei Wochen Urlaub nutzt, um so weit wie möglich zu kommen. Ein Pilger aus der Schweiz erzählt mir von seinem zweiten Camino, doch sein verdrehtes Knie von der ersten Etappe macht ihm schaffen. Ich hoffe, er schafft es bis Santiago.
Mein persönliches Highlight: Tag 3, und immer noch keine Blasen. Offenbar habe ich endlich die richtigen Schuhe gefunden.


Etappe 2- 22.9.2025: Von San Sebastián nach Getaria (27,5 km)

Der Tag beginnt, wie der erste endete – im Regen. Doch schon beim Aufstieg aus der Stadt reißt der Himmel auf, und die Sonne taucht San Sebastián in goldenes Licht.

Der Weg führt vorbei an Villen, Bauernhöfen und grasenden Kühen, eingerahmt von einer traumhaften Küstenkulisse.

Lange glaube ich allein unterwegs zu sein, bis plötzlich ganze Gruppen von Pilgern auftauchen. An einer Raststelle gibt es Tee, Kaffee, Kuchen und Stullen gegen Spende – und herzliche „Buen Camino“-Rufe.

Besonders bewegend: ein Pilger, der einen kleinen Blumenstrauß an einem Wegweiser niederlege.
Deutsche Pilger habe ich noch keine getroffen, dafür wieder die Pilger aus Frankreich und den USA vom Vortag, die sich über unser Wiedersehen freuen. Historische, mit groben Steinen gepflasterte Wege erinneren daran, wie alt dieser Pfad teilweise ist – und sorgen gleichzeitig für gestresste und müde Beine bei mir. Spannend, dass ich einige Pilger lediglich mit Laufschuhen hier erlebe.

Zu meinem Etappenziel Getaria und dem gleichnamigen Hostel – übrigens mit einem besonders aufmerksamen Hospitalero – geht es zum Glück bergab.


Etappe 1 – 21.9.2025: Von Hendaye/Irun nach San Sebastián – Ein Auftakt im Regen (27,5 km)

Die erste Etappe – und laut Pilgerführer gleich die schwerste. Um kurz nach sieben Uhr starte ich in voller Regenmontur, die mich den ganzen Tag begleiten sollte.
Schon der Beginn ist kurios: In Hendaye werde ich noch angesprochen, ob ich nicht Drogen kaufen wolle. Ich lehne dankend ab und mache das, was man als Pilger eben tut – weitergehen.

In Irun begegnet mir dann die erste Pilgerin, die gerade mit ihrem Hund die Herberge verlässt. Mein fröhliches „Buen Camino!“ erschreckt sie fast. Kurz darauf erschreckt mich wiederum ein anderer Pilger beim ersten Anstieg mit einem lauten „Hola“. So geht es hin und her – Begegnungen voller Überraschungen.

Trotz des starken Regens ist  Landschaft atemraubend . Immer wieder öffnet sich der Blick: rechts das Meer, hinter mir Hendaye und Irun, eingerahmt von Wolken und Grau, was auf seine eigene Weise schön wirkt.

Oft ist der Weg still und einsam – bis ich kurz vor Pasai auf eine gesperrte Landstraße stoße. Ein Autorennen zwingt alle Pilger zum Warten, und so lerne ich ein älteres Ehepaar aus Frankreich, was leider kein Englisch spricht und eine junge Frau aus den USA, die den Weg allein geht.

Der Nachmittag hält dann zum Glück trockene Abschnitte bereit. In der Ruhe des Weges finde ich meinen Rhythmus, bis schließlich die Bucht von San Sebastián vor mir liegt.
Zwei lange Strände, hohe Häuser, eine lebendige Stadt. Surfer lieben diesen Ort – und während meines Besuchs laufen sogar die Filmfestspiele. Angelina Jolie ist wohl auch hier, aber die Menschenmenge vor dem Hotel lasse ich links liegen.


Anreise
Der Start meiner Pilgerreise war geprägt von schönen gemeinsamen Momenten und liebevollen Gesten meiner Familie sowie bewegenden Abschieden, die mir Kraft und Zuversicht für den Weg geben. Nun bin ich am Startpunkt meiner Pilgerreise angekommen – mit Dankbarkeit und Vorfreude auf den Beginn meines Jakobswegs.


Zwei Tage vor dem Aufbruch
Es wird ernst. Habe alles beisammen und morgen wird final gepackt.

P.S. Die wohl häufigste Frage, die mir Freunde, Familie und Kollegen stellen: 
„Gehst du allein?“ – Ja, ich starte allein. Aber allein sein werde ich sicher nicht, denn auf dem Jakobsweg in Spanien begegnet man – so habe ich zumindest gehört – sehr vielen Menschen.  Viele teilen diesen Weg, jede und jeder mit einer eigenen Geschichte. Und in dieser Gemeinschaft liegt etwas Verbindendes, das mich neugierig. Auch, wenn ich nicht immer der Kontaktfreudigste bin.


Eine Woche vor dem Aufbruch
Die letzten Vorbereitungen sind fast abgeschlossen – nur noch wenige Tage, dann beginne ich meinen Weg. Es fühlt sich ein wenig unwirklich an, so lange habe ich geplant, geträumt, organisiert. Und jetzt ist es tatsächlich so weit.

Gestern habe ich mich online als Jakobspilger registriert und meinen Pilgercode beantragt – ein kleiner, bürokratischer Schritt, der am Ende aber wichtig ist, um die Compostela in Santiago zu erhalten. Im Registrierungsprozess wurde ich nach meinem Grund für die Pilgerreise gefragt: religiös, nicht religiös, oder sonstiges. 
Eine einfache Frage, dachte ich, und doch habe ich lange gezögert. Denn meine Antwort ist irgendwo zwischen all diesen Kategorien.
Der Segen meiner Heimatgemeinde zum Auftakt bedeutet mir sehr viel. Genauso wichtig sind mir die stillen Momente in Kirchen, Kapellen oder an Wegkreuzen. 
Als Christ weiß ich: Gott geht mit mir, und dieses Gefühl trägt mich. Gleichzeitig trage ich aber auch Fragen in mir, die ich auf dem Weg bewegen möchte – in der Hoffnung, in den kommenden sechs Wochen Antworten zu finden oder zumindest Hinweise, die mir ein Kompass für das weitere Leben sein können.


Zwei Wochen vor dem Aufbruch
Die Aufregung steigt – in nur 14 Tagen geht es endlich los! Sechs Wochen am Stück auf Pilgerreise zu sein, wirkt im Moment noch fast unwirklich. So lange war ich noch nie am Stück unterwegs. Puh, sechs Wochen – das klingt nach einer Ewigkeit, nach einer Herausforderung, aber auch nach einer großen Chance.
Mein Rucksack steht inzwischen gepackt in der Ecke. Alles, was ich für diese Reise brauche, passt hinein – und trotzdem bringt er knapp 10 Kilo auf die Waage. Ich habe gespart, reduziert, aussortiert und immer wieder überlegt: Was brauche ich wirklich? Was kann ich loslassen? Am Ende ist es genau diese Vorbereitung, die schon jetzt Teil des Pilgerns ist: sich zu beschränken, Ballast abzuwerfen und nur das Nötigste mitzunehmen.
Jetzt beginnt die Zeit des Wartens, des inneren Einstimmens – zwischen Vorfreude, Respekt vor der Länge des Weges und Neugier, welche Geschichten, Begegnungen und Erlebnisse die kommenden Wochen bereithalten.


10 Monate vor dem Aufbruch
Der Entschluss steht. Nach zwölf unterschiedlich langen Jakobswegen in den letzten 13 Jahren wage ich nun den großen Schritt: Diesmal möchte ich nicht nur unterwegs sein – ich möchte auch das Ziel erreichen. So sehr der Satz „Der Weg ist das Ziel“ beim Pilgern stimmt, so sehr spüre ich den Wunsch, einmal wirklich in Santiago de Compostela anzukommen.
Es fühlt sich an wie die Reise meines Lebens. Mein Arbeitgeber unterstützt mich dabei und bestärkt mich in diesem Entschluss – ein großes Geschenk, das mir erlaubt, diese Erfahrung ganz bewusst zu machen.
Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Der Rucksack wartet, der Weg ruft – und ich bin bereit, ihm zu folgen.


letzte Änderung:

Cookie Consent mit Real Cookie Banner