Mosel-Camino: In 6 Tagen von Koblenz nach Trier entlang der Mosel pilgern (3. Pilgerreise)

Zeitraum: 28. April – 3. Mai 2014
Dauer: 6 Tage
Strecke: ca. 155 km
Route: Koblenz – Hatzenport – Beilstein – Traben-Trarbach – Osann-Monzel – Schweich – Trier

Tag 1: Von Koblenz nach Hatzenport (23 km) – Auftakt mit Aussicht und Erkältung
Heute beginnt mein dritter Abschnitt auf dem deutschen Jakobsweg. Die Zugfahrt bringt mich über Bergisch Gladbach und Köln nach Koblenz. Von dort geht es per Bus weiter nach Stolzenfels – meinem eigentlichen Pilgerstart.
Die Burg Stolzenfels bleibt mir leider verschlossen (Ruhetag!), doch der Anstieg durch den Koblenzer Stadtwald bringt mich zügig auf Betriebstemperatur. Erste Weitblicke motivieren, aber die kalte Luft macht mir zu schaffen – meine Erkältung meldet sich deutlich.

Nach fünf Stunden erreiche ich die Bleidenberger Wallfahrtskirche bei Oberfell – endlich ein erster Pilgerstempel und ein wunderbarer Blick auf die Mosel! Ab Alken wird es moseltypisch: Weindörfer, Fachwerk, gepflegte Gärten. Löf rauscht vorbei, und Hatzenport ist… nun ja, eher funktional. Die meisten Gaststätten sind geschlossen, doch ich finde eine Pizzeria, die ihren Zweck erfüllt.

Fazit: Durchwachsener Start. Die Strecke ist machbar, das Wetter stabil – doch die Erkältung bremst.

Tag 2: Von Hatzenport nach Beilstein (30 km) – Burgromantik und stille Andacht
Die zweite Etappe startet mit spektakulären Ausblicken oberhalb der Mosel. Der Blick zurück auf Löf und Hatzenport ist wie gemalt.

Das erste große Highlight: Burg Eltz – eine der berühmtesten Burgen Deutschlands, malerisch im Wald versteckt und wie aus einem Märchenbuch.

Kurz danach erreiche ich das Kloster Maria Engelport, wo ich in eine andächtige Szene platze: Weihrauch liegt in der Luft, eine Monstranz wird angebetet. Ein Moment der Stille und Ehrfurcht.
Der restliche Weg zieht sich: Viele Serpentinen, aber auch Moselblick und viel Wald.

Doch der finale Ausblick auf Beilstein, das „Dornröschen der Mosel“, entschädigt für alles. Der Ort ist ein historisches Kleinod – mit gerade einmal 130 Einwohnern – bekannt durch alte Heimatfilme mit Heinz Rühmann und das barocke Karmeliterkloster.


Abends: Ruhe kehrt ein, der Touristenstrom ebbt ab. Ich spaziere durch das fast menschenleere Dorf – ein magischer Moment.

Tag 3: Von Beilstein nach Traben-Trarbach (30 km) – Moselschleifen und Höhenwege


Ich kürze die ursprünglich geplante Etappe von 34 auf 30 km ab – bei Erkältung eine kluge Entscheidung. Der Tag beginnt neblig, Zell ist kalt und feucht. Doch ab Mittag scheint die Sonne und wärmt Körper und Geist.


Die Strecke führt über Bullay, vorbei an Alf, und schließlich nach Zell a.d. Mosel auf den „Beinter Kopf“ – ein Aussichtspunkt mit atemberaubender Sicht auf die Moselschleife.

Der Anstieg ist brutal, aber lohnend. Auch die sogenannte „Schöne Aussicht“ beeindruckt mit Weitblicken.

Nach acht Stunden Pilgerweg empfängt mich dann Traben-Trarbach.

Die Stadt liegt malerisch an beiden Moselufern, verbunden durch eine imposante Brücke.

Im Jugendstil erblühte sie einst zur Weinhandelsmetropole – und war um 1900 nach Bordeaux der zweitgrößte Weinumschlagplatz Europas.

Tag 4: Von Traben-Trarbach nach Osann-Monzel (20 km) – Weinorte, Wallfahrten und Sonnenstunden
Endlich Sonne! Ich lasse es ruhig angehen und genieße die Etappe. Die Mosel bleibt mein treuer Begleiter. Hinter Lieser und Bernkastel-Kues folgen sanfte Anstiege.
Bernkastel-Kues beeindruckt mit seinem mittelalterlichen Marktplatz, Fachwerkidylle und der Burgruine Landshut. In der Stadt wurde Nikolaus von Kues geboren – ein bedeutender Philosoph und Kirchenmann.


Am Weg liegen die Grachter Schanzen, historische Verteidigungsanlagen aus dem Dreißigjährigen Krieg. Ich bin dankbar für den leichten Tag.

Die Landschaft blüht auf – Frühling ist jetzt überall.

Tag 5: Von Osann-Monzel nach Schweich (30 km) – Pilgerdichte und Klausener Wallfahrt
Ich nähere mich Trier – und das merkt man. Immer mehr Menschen sind unterwegs, die Wege belebt.

Nach einer kurzen Rast an der Schutzhütte Minheim erreiche ich die beeindruckende Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Klausen.

Die spätgotische Kirche ist ein bekannter Pilgerort seit dem 15. Jahrhundert, mit prachtvollem Hochaltar und wunderschönem Kirchenraum.
Der Weg wird heute länger, die Füße schwerer. Doch Schweich empfängt mich mit einer freundlichen Herberge – und Vorfreude auf das Finale.

Tag 6: Von Schweich nach Trier (20 km) – Ankommen in der ältesten Stadt Deutschlands
Die letzte Etappe ist eher kurz, aber symbolisch bedeutsam. Über die Ehranger Heide führt mich der Jakobsweg nach Trier. Ich betrete die Stadt, in der für mich schon einmal ein Pilgerweg endete – und die gleichzeitig so voller Geschichte steckt.


Trier ist nicht nur älteste Stadt Deutschlands, sondern auch ein wichtiges Ziel auf dem Jakobsweg. Viele Routen, vor allem aus dem Rheinland und dem Moselraum, bündeln sich hier. Die Porta Nigra, der Dom, die Konstantinbasilika – alles Orte voller Geschichte und Spiritualität.
Ich bin angekommen. Wieder.

Fazit: Zwischen Burgen, Wald und Wein – Pilgern entlang der Mosel
Dieser dritte Jakobsweg-Abschnitt ist geprägt von mittelalterlicher Romantik, steilen Waldwegen, überraschender Einsamkeit und der besonderen Mosel-Magie. Die Etappenlänge ist ambitioniert, aber machbar – auch mit Erkältung. Highlights wie Burg Eltz, Beilstein, Bernkastel-Kues und die Klausener Wallfahrtskirche machen diesen Weg zu einem der schönsten innerdeutschen Jakobsweg-Abschnitte, die ich bisher gegangen bin.
Und ja – es bleibt nicht bei drei Jakobswegen.

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