Verträumtes Weilburg an der Lahn – Ein Ort zwischen Geschichte und Gegenwart

Schlosskirche Weilburg

Es gibt Orte, bei denen man sich fragt, warum sie nicht längst auf jeder Bucket-List stehen. Weilburg an der Lahn ist genau so ein Ort. Klein, charmant, geschichtsträchtig – und dennoch angenehm unbekannt. Ich war inzwischen zum zweiten Mal dort. Das erste Mal 2020, auf meinem Lahn-Camino (Jakobsweg) mitten in der Corona-Zeit – und schon damals wirkte es wie ein Ort, den die Zeit vergessen hat.

Geschichte, die im Gestein steckt

Weilburg ist geprägt von einer reichen Vergangenheit: Das Schloss Weilburg, ein Renaissancebau aus dem Jahr 1550, thront majestätisch über der Lahn.

Ursprünglich Sitz des Herzogtums Nassau, war Weilburg lange das administrative Herz der Region. Noch heute zeugen Bauwerke wie die ehemalige Rentkammer (früher das Finanzamt) und das alte Bergamt von der einstigen Bedeutung als Zentrum des Bergbaus in Mittelhessen.

Hier begann die Eisenindustrie – Marmor, Schiefer und Eisenerz wurden abgebaut. Der berühmte Lahnmarmor ziert noch heute Bauwerke wie den Berliner Dom oder sogar die Moskauer U-Bahn. Mittlerweile sind die Brüche stillgelegt, aber der Stolz auf das Erbe ist spürbar.

Spannend: Die Geschichte Weilburgs ist eng mit dem Haus Nassau verbunden – jenem Adelsgeschlecht, aus dem Wilhelm von Oranien hervorging, der als „Retter der Niederlande“ verehrt wird. Kein Wunder, dass die niederländische Nationalhymne mit den Worten beginnt: „Wilhelmus van Nassouwe, ben ik van Duitsen bloed.“

Nassau auf den Bahamas?

Auch dort findet sich der Name Nassau wieder – benannt zu Ehren von Wilhelm III. von Oranien-Nassau, Statthalter der Niederlande, zugleich König von England, Schottland und Irland. Als die Bahamas unter britische Kontrolle kamen, wurde die Hauptstadt „Nassau“ getauft – als Symbol der Verbundenheit mit der Dynastie.

Zwischen zwei Welten: Taunus trifft Westerwald

Weilburg liegt an einem besonderen geografischen Punkt: Die Lahn bildet hier die Grenze zwischen Taunus und Westerwald. Die Stadt selbst liegt auf der Taunus-Seite, ist aber fast rundum vom Westerwald umschlossen – wie eine Halbinsel zwischen Hügeln.

Nicht nur die Landschaft, auch die Sprache markiert hier eine Grenze: Während man in Weilburg noch „das“ und „was“ sagt, wird im Westerwald bereits „dat“ und „wat“ gesprochen – ein charmanter Hinweis unseres Stadtführers, der diese und viele weitere Anekdoten auf der wöchentlichen Sommer-Stadtführung (immer samstags) zum Besten gibt. Absolut empfehlenswert!

Lehmwunder & Schlossgarten

Ein Highlight abseits der klassischen Touristenpfade: das höchste Lehmstampfbauhaus der Welt in der Hainallee. Sechs Stockwerke hoch – errichtet bereits im Jahr 1828. Ein Stück Architekturgeschichte, das auch heute noch überrascht.

Der Spaziergang durch den Schlossgarten rundet das historische Erlebnis ab – mit herrlichem Blick ins Lahntal und vielen versteckten Ecken, die zum Verweilen einladen.

Zwischen Altstadt und Lahnidyll

Der Marktplatz im historischen Stadtkern ist ein echter Wohlfühlort. Besonders schön: eine kleine Pause im Art-Café, am besten bei einem Glas Wein. Die Altstadt ist liebevoll restauriert, ruhig und lädt zum Flanieren ein.

Besonders still ist es allerdings nicht, wenn im Sommer (Juni bis August) die renommierten Weilburger Schlosskonzerte stattfinden. Wer klassische Musik auf höchstem Niveau liebt, sollte sich diese Atmosphäre nicht entgehen lassen – Musikgenuss in märchenhafter Kulisse.

Campingidylle in Odersbach

Unser Zuhause auf Zeit: der Campingplatz Odersbach, nur wenige Kilometer von Weilburg entfernt. Der Platz liegt direkt an der Lahn und bietet einen fantastischen Blick aufs Wasser – inklusive Kanufahrer, die hier besonders an sonnigen Wochenenden zahlreich unterwegs sind.

Wasserwandern ist in dieser Region eine der beliebtesten Aktivitäten: Fast jeder Ort entlang der Lahn bietet Anlegestellen und Übernachtungsmöglichkeiten. Kanus und Kajaks lassen sich für wenig Geld tageweise mieten – ideal für spontane Mikroabenteuer.

Radfahren an der Lahn

Auch auf zwei Rädern lässt sich die Region wunderbar entdecken. In Richtung Solms stößt man auf zahlreiche Brunnen und Mineralwasserquellen, die zum Verschnaufen einladen. So kann man direkt vor Ort ein Wassertasting machen.

Besonders reizvoll fanden wir jedoch den Radweg in Richtung Runkel – er verläuft direkt entlang der Lahn, durch kleine, verschlafene Dörfer, vorbei an Biergärten, Weiden und vergessenen Burgen.

Perfekt für einen entspannten Tag auf dem Rad.

Fazit:
Weilburg ist kein Ort für Eile – sondern für Entdecker, Genießer, Geschichtsliebhaber und Ruhesuchende. Und vielleicht liegt genau darin seine Schönheit: Weilburg will nicht beeindrucken. Es bleibt einfach da – und wartet darauf, gefunden zu werden.

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